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1 January 2008

Stalking: Prävalenz, Gefährlichkeit und Täterprofile – Übersichtsarbeit

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and
Psychiatrisch-Psychologischer Dienst (PPD), CH-8090 Zürich
*
Author to whom correspondence should be addressed.

Summary

Background: The term “stalking” describes persistent inappropriate threatening and often obsessive behaviour which is mostly intended to cause alarm and distress in the stalker’s victim. Stalking represents a complex behavioural pattern, which includes harassment, the invasion of a person’s privacy and often the use of violence. Methods: The present review assembles findings from 13 years of research. Results: In German-speaking regions the risk of being a victim of stalking during one’s lifetime is 17% for women and 4% for men. The majority of offenders are men and the majority of victims are women. The prevalence of violent acts in stalking is found to be between 21 and 76% depending on the examined population and the definition of stalking and violence. The highest prevalence of violence is found in ex-partner stalking which presents the most dangerous form of stalking and is found to include some form of violence in 51–89% of cases. Other predictors of violent behaviour in stalking are verbal threats, especially if they are repeated. Also predictive of violence in stalking are personality disorders, especially if no major mental health disorder was present (such as schizophrenia or affective disorders). The prevalence of serious violence in stalking is probably underestimated because such cases are usually not registered as cases of stalking in police files. Studies of murder victims showed a high prevalence of stalking previous to the offence, which leads to the conclusion that stalking is a serious predictor of homicide. Predictors of serious violence in stalking are not the same as the ones of “average” violence in stalking. They also differ from the predictors usually employed in risk assessments. Predictors for serious violence in stalking are the length of stalking and having ambushed the victim at home. Different typologies are suggested which focus on such factors as type of relationship between stalker and victim, motive, psychopathology and risk profile of the stalker. Conclusion: Stalking represents a complex obsessive and persistent behavioural pattern which often aims at causing alarm and distress in the victim. New communication technologies such as mobile phones, text messaging and e-mails represent new and easier ways to stalk a person. Stalking happens frequently and results frequently in violent acts toward the victim. Especially ex-partner stalking includes more often than not some form of violence. However, there are currently no evidence-based recommendations on how to adequately assess the risk a stalker poses.

Einleitung

Es gibt zahlreiche Definitionen für den aus der englischen Jägersprache stammenden Begriff «Stalking», was «auf die Pirsch gehen» oder «sich anschleichen» bedeutet [1]. Alle Definitionen weisen gewisse gemeinsame, zentrale Schlüsselelemente auf—zum Beispiel eine wiederholte und unangemessene Kontaktaufnahme, die vom Stalking-Opfer als aufdringlich oder bedrohlich wahrgenommen wird [2]. Die Kontaktaufnahme kann aus einem persönlichen Erscheinen am Arbeitsplatz oder Wohnort, Telefonanrufen, dem Hinterlassen von schriftlichen Nachrichten oder Objekten sowie Vandalismus am Eigentum des Opfers bestehen [3]. Ein weiteres charakteristisches Element von Stalking ist das Belästigen, Bedrohen und Verfolgen der Zielperson [3]. Dabei kommt es zu einer Vermischung von legalen (z.B. querulatorischem Verhalten) und strafbaren Handlungen, wobei Stalking in manchen Fällen zu gewaltsamen Übergriffen bis hin zu Tötungshandlungen führen kann [3,4,5].
Die Konzeptualisierung des heutigen Stalking-Begriffs entstand in mehreren Phasen in den späten 1980er und 1990er Jahren in den USA, Australien und Kanada [6]. Der Begriff des Stalkings wurde zunächst ausschliesslich für unangemessenes Verhalten gegenüber in der Öffentlichkeit stehenden Personen verwendet [1,7]. Durch ausführliche Berichterstattung der Medien über prominente Stalking-Opfer in den 1980er Jahren (u.a. Jodie Foster, Madonna und Rebecca Shaeffer) wurde nebst der breiten Öffentlichkeit auch die Wissenschaft auf das Phänomen des Stalkings aufmerksam. Nur allmählich wurde der Begriff ausgeweitet auf Fälle häuslicher Gewalt und auf Frauen, die von ihren Expartnern verfolgt werden [8].
Das Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, einen kurzen Überblick zum aktuellen Forschungsstand bezüglich Prävalenz und Gefährlichkeit von Stalking vorzulegen.

Prävalenz von Stalking

Internationale Studien haben wiederholt repliziert, dass Stalking kein seltenes Ereignis darstellt und dass Frauen (i.d.R. ehemalige Partnerinnen) deutlich häufiger Opfer von Stalking werden, während Männer als Täter überrepräsentiert sind. Repräsentative Untersuchungen aus dem englischsprachigen Raum (USA:Tjaden und Thoennes [9],England: Budd, Mattinson und Myhill [10],Australien: Purcell, Pathé und Mullen [11]) beziffern die Lebenszeitprävalenz, Stalking-Opfer zu werden, zwischen 8 und 32% für Frauen und 2 und 17% für Männer. Die höchsten Prävalenzangaben ergaben sich in Australien, was durch eine niederschwellige Definition von Stalking (mindestens zwei ungewollte Kontaktaufnahmen, die beim Opfer Angst auslösen) zu erklären ist [12].
Tjaden und Thoennes [9] bezifferten in einer repräsentativen Untersuchung die Lebenszeitprävalenz von Stalking auf 5%. In dieser Untersuchung waren 78% der Opfer weiblich und 87% der Täter männlich. Zudem zeigte sich, dass Erwachsene zwischen 18 und 29 Jahren zur häufigsten Zielgruppe mit 52% aller Opfer gehören. Die Dauer, während der die befragten Opfer durchschnittlich dem Stalking ausgesetzt waren, betrug 1,8 Jahre. Mullen, Pathé, Purcell und Stuart [13] fanden bei 145 Stalking-Fällen in Australien, dass Stalking zwischen 4 Wochen und bis zu 20 Jahren (Median war 1 Jahr) andauerte. In einer späteren Veröffentlichung [14] sprachen sie von einem hohen Risiko für Monate oder Jahre andauerndes Stalking, wenn das Stalking-Verhalten länger als zwei Wochen andauert.
In der ersten repräsentativen Studie im deutschsprachigen Raum (n = 675) von Dreßing et al. [4] betrug die Lebenszeitprävalenz 12%, die Jahresprävalenz 2%. Auch hier dominierten mit 86% die männlichen Täter. Dabei war das Risiko, Opfer zu werden, bei Frauen mit 17% gegenüber 4% bei Männern deutlich erhöht. Etwa zwei Drittel der Stalking-Fälle währten länger als einen Monat und etwa ein Drittel länger als ein Jahr. Bei einem Grossteil der Stalking-Fälle kannten sich Täter und Opfer zuvor. Häufigste Stalking-Opfer waren Lebenspartner, Bekannte oder Arbeitskollegen [15,16]. In der ersten repräsentativen Studie zu Stalking in den USA hatten 59% der weiblichen Opfer (vorgängig) eine intime Beziehung zum Täter, während 30% der männlichen Opfer von (ehemaligen) Partnerinnen oder Partnern belästigt wurden [9].

Prävalenz von Gewalt bei Stalking

Die Auftretenshäufigkeit von Gewalt in Stalking-Fällen lag in internationalen Studien zwischen 21 und 76% [17]. Diese Prävalenzangaben, die sowohl aus Täter- als auch aus Opfer-Untersuchungen stammen, zeigen einerseits, dass es im Rahmen von Stalking häufig zu Gewaltanwendungen kommt und Stalking somit eine ernstzunehmende Gefahr darstellt. Andererseits wird deutlich, dass die Befunde sehr heterogen sind, was nach Rosenfeld [2] zumindest zum Teil auf unterschiedlich eng gefasste Definitionen der Begriffe «Stalking» und «Gewalt» zurückzuführen ist.

Täteruntersuchungen

Täteruntersuchungen zeigen den höheren Anteil von Gewalt bei Intimpartner-Stalking auf. Rosenfeld und Harmon [18] untersuchten Stalker, die an einer gerichtlich angeordneten Therapie teilnahmen (n = 204), und fanden Gewalttätigkeiten bei 51% der Stalker, deren Opfer die Ex-Partnerin war, hingegen nur bei 34% derjenigen Stalker, die eine unbekannte Person verfolgt hatten. Auch Harmon et al. [19] und Meloy et al. [20] fanden eine Prävalenz von Gewalt von insgesamt 46% und bei Intimpartner-Stalking von 67 beziehungsweise sogar 89% (n = 175 bzw. n = 65).

Bevölkerungsstichproben und Opferbefragungen

In einer grossangelegten Studie in Deutschland an einer repräsentativen Stichprobe (n = 675) gaben 30% der Stalking-Opfer an, Gewaltübergriffe durch den Stalker erlitten zu haben [4]. Ähnliche Ergebnisse fanden Sheridan und Davies [21] bei einer Stichprobe von 95 Personen, die eine Beratungsstelle aufgesucht hatten. Dort berichteten 40% von Gewalterfahrungen. Brewster [22] kontaktierte in den USA über Opferberatungsstellen und Anzeigen Frauen, die Stalking-Opfer ihres ehemaligen Partners geworden waren. Die Prävalenz von Gewalt in dieser Gruppe betrug 46%.

Schweregrad der Gewaltanwendung

Zwar kann es als gesichert angesehen werden, dass die Wahrscheinlichkeit von Gewaltanwendung bei Stalking im persönlichen Umfeld deutlich erhöht ist, auf der anderen Seite zeigen verschiedene Untersuchungen, dass der Schweregrad der Gewaltanwendung bei Stalking von Privatpersonen häufig nicht sehr ausgeprägt ist [23,24]. Typische Stalking-Fälle an Privatpersonen (wovon die meisten Expartner des Stalkers sind) beinhalten in der Regel gewalttätige Übergriffe ohne Waffengebrauch, die nicht lebensbedrohlich sind. Sie gleichen klassischen Fällen häuslicher Gewalt. Häufige Verhaltensweisen sind Packen, Würgen, Anden-Haaren-Ziehen, Schütteln, Schlagen, Ohrfeigen und Stossen des Gegenübers [23,24].
Andererseits deutet eine Untersuchung von McFarlane et al. darauf hin, dass die Prävalenz schwerer Gewalttätigkeit im Rahmen von Stalking eventuell unterschätzt wird [25]. In ihrer Untersuchung zu Stalking und schwerer Gewalt in der Partnerschaft (n = 384) sowie vollendeten (n = 263) und versuchten (n = 174) Intimpartner-Tötungsdelikten zeigte sich, dass 68% der Opfer versuchter oder vollendeter Tötungsdelikte und 51% der Opfer schwerer Beziehungsgewalt im Zeitraum von 12 Monaten vor dem Delikt von ihren Partnern gestalkt worden waren. Aufgrund des hohen Anteils an gestalkten Mordopfern (versuchtem und vollzogenem Mord) kommen McFarlane et al. [25] zum Schluss, dass Stalking als ernstzunehmender Risikofaktor für Mord und Mordversuche in Betracht gezogen werden muss.
Meloy [17] schätzt, dass Frauen, die von ihrem ehemaligen Partner verfolgt und belästigt werden, im Vergleich zur Gesamtbevölkerung ein 25fach erhöhtes Risiko haben, ermordet zu werden. In seiner Metaanalyse vermutet auch Rosenfeld [2], dass in den meisten Studien über Gewalthandlungen von Stalkern kaum schwere Gewalthandlungen auftauchen, weil schwere Gewaltverbrechen, in denen es vorgängig zu Stalking gekommen ist, nach einer Verurteilung mit grosser Wahrscheinlichkeit nicht mehr als Stalking-Fälle geführt werden und somit nicht mehr als solche identifizierbar sind. Dies könnte zu einer Unterschätzung der Prävalenz schwerer Gewalttaten von Stalkern führen.

Prädiktoren für Gewalt bei Stalking

Rosenfeld [2] ermittelte in seiner Metaanalyse als die stärksten und beständigsten Prädiktoren für Gewalthandlungen bei Stalking das Vorliegen einer früheren intimen Beziehung, von Drohungen und das Fehlen einer Psychose.

Frühere intime Beziehung

Das Vorliegen einer früheren Intimbeziehung zwischen Täter und Opfer gilt als wichtiger Prädiktor für Stalking-begleitende Gewalthandlungen [26,27,28]. Meloy et al. [28] konnten allein über das Vorliegen oder Fehlen einer sexuellen Beziehung zwischen Täter und Opfer 90% der Stalker korrekt als gewalttätig oder nicht gewalttätig klassifizieren. In einer repräsentativen Untersuchung in den USA wurde zudem ein starker Zusammenhang zwischen Stalking und vorhergehender häuslicher Gewalt gefunden: 81% der Frauen, die von ihrem aktuellen oder ehemaligen Partner gestalkt wurden, erlebten durch denselben Partner auch physische und 31% sexuelle Gewalt [9,29].

Drohungen

Brewster [22] untersuchte den Zusammenhang zwischen verbalen Gewaltandrohungen in 187 Fällen von Intimpartner-Stalking. Lineare und logistische Regressionsmodelle ergaben einen mässigen, aber statistisch signifikanten Zusammenhang zwischen Drohungen und anschliessender Gewalt. Es zeigte sich sowohl ein Zusammenhang zwischen Drohungen und nachfolgender Gewalt als auch ein Zusammenhang mit deren Häufigkeit. Brewster [22] schlussfolgerte, dass Drohungen bedeutend bessere Prädiktoren für Gewalttätigkeit sind als Gewalt in der kriminellen Vorgeschichte oder Gewalt in früheren Beziehungen des Stalkers. Die prognostische Relevanz von Drohungen wurde von Meloy und Gothard [6] repliziert. Im Gegensatz zu Meloy et al. [28], bei denen 25% der Opfer, denen zuvor Gewalt angedroht wurde, auch Gewalt erlitten, fand Brewster [22], die weibliche Opfer befragte, beinahe 75%. Einen hochsignifikanten Zusammenhang zwischen dem Vorliegen von Drohungen und Gewalt bei Stalkern fanden auch Mullen, Pathé und Purcell [13]: 48% derjenigen Stalker, die ihre Opfer bedrohten, verübten gewalttätige Übergriffe, und 77% aller derjenigen Stalker, die gewalttätige Übergriffe verübten, hatten ihre Opfer zuvor auch tatsächlich bedroht.
Andererseits wird nicht jeder Stalker, der Drohungen ausspricht, auch gewalttätig. Der Anteil falsch-positiver Prognosen ist unter Verwendung von Drohungen als alleinigem Prädiktor sehr hoch [6,13,19,20,23,27,30] und reicht von 41 [19] bis 75% [27], wobei zu berücksichtigen ist, dass der Anteil derjenigen Stalker, die ohne vorhergehende Drohung Gewalt anwenden, mit 13 [23] bis 23% [13] vergleichsweise gering ist.

Psychische Erkrankung

Das Fehlen einer schweren psychischen Erkrankung (Schizophrenie und affektiver Störungen) und das Vorhandensein einer Persönlichkeitsstörung waren signifikant mit einem erhöhten Gewaltrisiko korreliert [28]. Auch in diesem Punkt kamen Mullen et al. [13] zu ähnlichen Resultaten. In ihrer Stichprobe wandten nichtpsychotische Stalker eher Gewalt an (43%; 37 von 85) als psychotische (25%; 15 von 60), obwohl beide Gruppen gleich häufig ihren Opfern drohten.

Prädiktoren für schwere Gewalt bei Stalking

James und Farnham [31] bemängeln, dass in Untersuchungen über Prädiktoren von auf Stalking folgender Gewalt nicht zwischen unterschiedlichen Schweregraden von Gewalt unterschieden wird. Dennoch gibt es einige wenige Untersuchungen über das Ausmass der Gewaltanwendung von Stalkern. James und Farnham [31] untersuchten 85 Stalker, von denen 27 dem Opfer gegenüber schwer gewalttätig geworden waren. Die restlichen 58 Täter hatten im Rahmen des Stalkings höchstens leichte Gewalt ausgeübt. Als prädiktiv für schwere Gewalthandlungen dem Opfer gegenüber erwiesen sich die Faktoren «Dauer des Stalkings» und «dem Opfer im Haus auflauern». Die Anzahl früherer Verurteilungen hingegen erwies sich als protektiver Faktor. Gemäss der Studie führten schwer gewalttätige Stalker, nach aussen hin ein sozial unauffälliges Leben und verfügten über eine stabile Anstellung. Ebensowenig auffällig waren sie bezüglich der Diagnose von Persönlichkeitsstörungen [31]. Minder schwere Übergriffe waren hingegen mit typischen Variablen korreliert, die sich für Gewaltstraftaten als prognostisch relevant erwiesen haben: Substanzmissbrauch (führt zu Enthemmung), Psychosen,früherer Gewaltanwendung, Arbeitslosigkeit und mangelnder sozialer Integration bzw. sozialer Isolation [31].

Täterprofile und Tätertypen

Da Stalker keine homogene Gruppe von Tätern darstellen, wurden immer wieder Kategorisierungsversuche unternommen, vor allem auch im Hinblick auf eine Gefährlichkeitseinschätzung.
Mullen et al. [13] konnten in ihrer Studie zeigen, dass je nach Stalker-Typ gleiche Verhaltensweisen mit unterschiedlichem Gewaltrisiko verbunden sind. Deshalb schlagen sie eine Kategorisierung aufgrund der Motivlage der Täter vor und formulieren auf dieser Grundlage fünf verschiedene Stalker-Typen mit unterschiedlichen Gefährlichkeitsprofilen: den zurückgewiesenen (rejected), den beziehungssuchenden (intimacy seeking), den sozial unfähigen (incompetent), den nachtragenden (resentful) und den sexuell verletzenden (predatory) Stalker.
Der zurückgewiesene Stalker hatte früher meist eine intime Beziehung zum Opfer und ist laut Mullen et al. [5] der am häufigsten vorkommende Typ. Solche Stalker sind selten psychotisch und lassen sich von allen Stalker-Typen noch am ehesten durch Androhung gerichtlicher/polizeilicher Massnahmen abschrecken.
Der beziehungssuchende Stalker ist auf der Suche nach Nähe, Liebe und Zuneigung. Sie möchten meistens in Beziehung treten mit einer Person, von der sie irrtümlicherweise glauben, dass sie sie ebenfalls liebt. Bei diesem Stalker-Typ kommen gravierende psychische Störungen im Zusammenhang mit einem Liebeswahn (Erotomanie) besonders häufig vor. Im Gegensatz zum abgelehnten Stalker ist dieser Typ gegen juristische Massnahmen resistent. Vielmehr betrachten sie gerichtliche Verfolgung und Inhaftierungen als Preis, den sie für wahre Liebe zu zahlen bereit sind. Der Schwerpunkt liegt hierbei auf der psychischen Störung und dem erotomanischen Syndrom.
Der sozial unfähige Stalker hat meistens einen niedrigen Intellekt und mangelnde soziale Kompetenz. Sie sehnen sich nicht nach Liebe, sondern nach Kontakten, wie einer Verabredung oder einer flüchtigen sexuellen Begegnung. In entsprechenden Situationen verhalten sie sich unpassend oder lösen im Gegenüber sogar Angst aus. Ungeachtet dessen, was ihre Zielperson möchte, erheben sie einen Anspruch darauf, eine Beziehung mit ihr zu führen. Dieser Stalker-Typ hört in der Regel aufgrund der ausbleibenden Befriedigung schnell auf. Jedoch kommt es bei solchen Stalkern oft vor, dass sie anschliessend zum nächsten Opfer übergehen.
Der nachtragende Stalker handelt vorwiegend aus Rache und versetzt sein Opfer in Angst. Im Gegensatz zu den meisten anderen Stalkern ist sich dieser Typ in der Regel bewusst, welche Auswirkungen sein Verhalten auf das Opfer hat. Sie verfolgen das Ziel der Vergeltung, gegen eine Person oder Organisation. Oft sehen sie sich selbst als Opfer, das für Gerechtigkeit kämpft. Darunter gibt es vermehrt Personen mit paranoiden und querulatorischen Persönlichkeitsstörungen. Oftmals beginnt das Stalking am Arbeitsplatz gegen Arbeitskollegen oder Vorgesetzte, oder sie belästigen Ärzte und Rechtsanwälte. Sie drohen am häufigsten von allen Stalker-Typen (indirekte Drohungen), um Angst zu machen, werden aber selten tatsächlich übergriffig. Wenige sind in psychiatrischer Behandlung, ausser sie werden vom Gericht dazu aufgefordert. Sie sind jeweils darüber empört, wenn sie zu Therapiemassnahmen verurteilt werden. Therapeuten solcher Stalker laufen stets Gefahr, selbst das nächste Opfer zu werden.
Die sexuell verletzenden Stalker planen Angriffe auf ihre Zielperson, was sich zunächst als Beobachtung und Verfolgung des Opfers äussert. Sie möchten das Opfer zwar nicht warnen, aber sie geniessen es, das Opfer in Angst zu versetzen und es wissen zu lassen, dass sie beobachtet werden. Durch Eindringen in die Privatsphäre des Opfers, wobei er beispielsweise Gegenstände in der Wohnung umplaziert oder aus einem Versteck ans Fenster klopft, erlebt er sexuelle Befriedigung. Solche Stalker sind glücklicherweise selten. Bei diesem Stalker-Typ finden sich öfters Paraphilien. Die Methode der Wahl sind Sexualstraftätertherapien.
Eine weitere Typologie wurde von Boon und Sheridan [32] anhand einer Studie mit 124 Stalking-Fällen aufgestellt. Aufgrund ihres Datenmaterials schlugen sie ein Kategoriensystem mit vier Stalker-Typen vor, wobei auch diese Typologie nach Motiven des Stalkers unterscheidet.
Dreßing [15] empfiehlt eine dreidimensionale Stalker-Typologie. Die erste Dimension definiert die psychopathologische Ausprägung der Stalker und unterteilt sie in psychotische und nichtpsychotische. Die nächste Dimension untersucht die Beziehung zwischen Täter und Opfer und teilt die Beziehungen in drei Unterkategorien auf:Fremde, Bekannte und ehemalige Intimpartner. Die dritte Dimension behandelt die Motive. Es wird nach Rache, Liebe und narzisstischem Bedürfnis unterschieden. Kombiniert man diese drei Ebenen, ergeben sich insgesamt 18 mögliche Stalker-Typen. Es ist die erste Typologie, die alle drei Ebenen einbezieht. Allerdings muss sie wissenschaftlich noch überprüft werden.

Fazit

Zunächst kann festgehalten werden, dass Stalking ein Phänomen darstellt, das relativ häufig auftritt. Charakteristisch für Stalking ist der Versuch des Täters, einen Kontakt (oder eine Beziehung) zum Opfer herzustellen, was vom Opfer als unerwünscht oder gar bedrohlich erlebt wird. Mit einer Person gegen deren Willen Kontakt herzustellen hat sich angesichts zahlreicher neuer Kommunikationstechnologien (Handy, SMS und E-Mail) deutlich vereinfacht, und es darf angenommen werden, dass sich die Hemmschwelle für solches Verhalten dadurch deutlich gesenkt hat. Diese unangemessene Kontaktaufnahme oder -aufrechterhaltung stellt für die Opfer oft eine schwere psychische Belastung dar. Neben der psychischen Beeinträchtigung erfährt ein relevanter Anteil der Stalking-Opfer auch körperliche Gewalt durch den Stalker. Vor allem bei Intimpartner-Stalking muss davon ausgegangen werden, dass Gewaltanwendung die Regel und nicht die Ausnahme darstellt und dass es in den meisten Fällen schon während der Partnerschaft zu häuslicher Gewalt gekommen ist. Der Zusammenhang zwischen Intimpartner-Stalking und früherer häuslicher Gewalt wird durch die Ähnlichkeit der Gewaltanwendung in beiden Fällen weiter unterstrichen. Bei einem beträchtlichen Anteil dieser Stalker handelt es sich um den zurückgewiesenen Typ. Da dieser Typ sich von rechtlich angedrohten Sanktionen abschrecken lässt, haben polizeiliche Interventionen hier die höchste Wahrscheinlichkeit auf Erfolg. Das Ausmass schwerer Gewalt bei Stalking einzuschätzen wird durch die Tatsache erschwert, dass schwere Gewaltanwendungen wie versuchter Mord oder schwere Körperverletzung nicht mehr als Stalking-Fälle geführt und somit nicht mehr als solche identifizierbar sind. Es gibt jedoch Hinweise, dass dieses Dokumentierungsproblem zu einer tendenziellen Unterschätzung der Gefährlichkeit von Stalking bzw. Prävalenz von schwerer Gewalt bei Stalking führt. Weiter haben Untersuchungen zu Gewalt bei Stalking gezeigt, dass Prädiktoren, die üblicherweise im Rahmen von Risk-Assessments von Straftätern generell und für die Vorhersage von minder schweren Übergriffen bei Stalking im speziellen herangezogen werden, für die Prognose von schwerer Gewalttätigkeit bei Stalking ungeeignet sind.

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