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1 January 2004

International Forum of Psychoanalysis: Psychoanalysis in the Third Reich

Diese Ausgabe der Zeitschrift der Internationalen Föderation psychoanalytischer Gesellschaften umfasst Artikel von 9 namhaften Psychoanalytikern zu den Themen Psychoanalyse und Schicksal der Psychoanalytiker vor und während des 2. Weltkrieges in verschiedenen, durch die Nazis besetzten Ländern Europas. Zvi Lothane, New York, der sich durch seine Publikationen, zuletzt durch sein Buch Zur Rehabilitierung Schrebers einen internationalen Namen geschaffen hat, bemerkt in seiner Einleitung, dass die Psychoanalytiker zwar politische Wesen seien, doch stets Diskussionen über eine psychoanalytische Politik gemieden hätten. Freud selbst und seine Tochter Anna sowie Ernest Jones und andere führende Mitglieder der International Psychoanalytic Association hätten sich entsprechend Illusionen betreffend das Überleben der Psychoanalyse in Nazi-Deutschland gemacht. Bernd Nitschke, Psychoanalytiker und Autor mehrerer Bücher über Sigmund Freud und die Geschichte der Psychoanalyse, und vor allem Lore Reich Rubin, USA, die jüngere Tochter von Wilhelm Reich, befassen sich in ihren Artikeln unter anderem mit der schliesslichen Ausstossung von Wilhelm Reich aus der International Psychoanalytic Association, wobei diese vorwiegend durch eine negative Gegenübertragung von Paul Federn in die Wege geleitet worden sei. Man habe Reich zur Begründung dieses Schrittes zum «Bolschewisten» und «Verrückten» erklärt. Der «Anschluss» von Österreich ans nationalsozialistische Deutschland im Jahre 1938 hat, wie Johannes Reichmayr, Assistenzprofessor für Psychologie und Psychoanalyse an der Universität Klagenfurt, und Elke Mühlleitner, Psychologin und Sozialwissenschaftlerin, Giessen, in ihrem Beitrag ausführen, wegen der damals eingeführten antijüdischen Gesetze, aber auch wegen des schon 1934 immer mehr in Erscheinung getretenen Austrofaschismus zu einer beinahe restlosen Auslöschung der Psychoanalyse in Österreich geführt. Eine ähnliche Entwicklung ergab sich, wie in den Artikeln von Harry Stroeken, a.o. Professor für Psychologie, Religion und Psychohygiene, Utrecht, Holland, und Alain de Mijolla, Psychoanalytiker und Präsident der Internationalen Gesellschaft für Geschichte der Psychoanalyse, Paris, treffend geschildert wird, in Holland und Frankreich, wobei in beiden Ländern, nach deren Besetzung durch Nazi-Deutschland und der Auswanderung jüdischer Psychoanalytiker oder deren Ermordung in Konzentrationslagern, vorwiegend nur noch Analytiker in aller Offenheit ihren Beruf ausüben konnten, die, wie René Laforgue in Frankreich, der Nazi-Ideologie nahe standen. In den Beiträgen von Per Magnus Johansson, Psychologe und Psychoanalytiker, Präsident der Freud-Gesellschaft in Göteborg, und Sanford Gifford, Psychoanalytiker und Psychiater, Boston, wird über das Schicksal von Psychoanalytikern berichtet, die als Juden aus Europa flüchten mussten. Johansson zeichnet das Schicksal von Lajos Székely nach, der aus Ungarn emigrierte, auf der Flucht über mehrere Länder nach Schweden kam und im Grunde immer entwurzelt blieb. Gifford demgegenüber schildert, wie jüdische Psychoanalytiker, vorwiegend aus Wien, wie Hanns Sachs, Erik Erikson, Helene Deutsch, Beata Rank, Jenny und Robert Waelder und andere in Boston vorübergehend oder dauerhaft eine neue Heimat fanden.
Das vorliegende Heft vermittelt einen eindrücklichen Einblick in eine Zeit der NaziDiktatur in Europa, deren menschenfeindliches, destruktives Ausmass auch Psychoanalytiker nicht voraussahen und das auf demalten Kontinent durch Auswanderung einer Grosszahl von Analytikern vorwiegend in die USA zu einer Verarmung im Bereiche der Psychotherapie geführt hat.

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