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Swiss Archives of Neurology, Psychiatry and Psychotherapy is published by MDPI from Volume 176 Issue 1 (2026). Previous articles were published by another publisher in Open Access under a CC-BY (or CC-BY-NC-ND) licence, and they are hosted by MDPI on mdpi.com as a courtesy and upon agreement with Editores Medicorum Helveticorum (EMH).
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Marianne Leuzinger-Bohleber: «Forschen und Heilen» in der Psychoanalyse

Zürich, Switzerland
Swiss Arch. Neurol. Psychiatry Psychother. 2004, 155(5), 235-236; https://doi.org/10.4414/sanp.2004.01506
Published: 1 January 2004
Das Buch setzt sich mit der engen Verbindung von «Forschen» und «Heilen» auseinander, welche die Psychoanalyse—als Wissenschaft und Therapiemethode—von Anfang an geprägt hat. Die «Heilung» psychopathologischer Symptome und Einschränkungen ist in psychoanalytischer Sicht unvermeidlich mit der Erforschung ihrer idiosynkratischen, komplexen, bewussten und unbewussten Determinanten verbunden. Bekanntlich hat dieses «Junktim von Forschen und Heilen» auch zu einer Sonderrolle der Psychoanalyse, bis hin zu ihrer Isolation in der Medizin und in der akademischen Psychologie, beigetragen. In diesem Buch wird nun der Versuch unternommen, diese Isolation in Zeiten des «wissenschaftlichen Pluralismus» zu überwinden, da sowohl in den Naturals auch in den Geistesund Sozialwissenschaften ein einheitswissenschaftliches Verständnis von «Forschung» und «Wahrheit» inzwischen als veraltet gilt. So wird darauf hingewiesen, dass heutige wissenschaftliche Disziplinen ihre eigenen Forschungsmethoden entwickelt haben, die dem spezifischen Forschungsgegenstand angemessen sind und nicht nur die Qualitätskriterien, sondern auch die Wahrnehmungsund Erkenntnisprozesse der Forschenden mitbestimmen. Ein wesentliches Anliegen der Herausgeber besteht darin, Erkenntnisse der psychoanalytischen Therapieforschung in einer breiteren wissenschaftlichen Gemeinschaft und der interessierten Öffentlichkeit kritisch zur Diskussion zu stellen.Als exemplarische Illustration dieses Versuches einer wissenschaftlichen Positionierung, die von einer skeptischen Grundhaltung geleitet ist, dient die zusammenfassende Darstellung der repräsentativen, multiperspektivischen Katamnesestudie von Psychoanalysen und psychoanalytischen Langzeitbehandlungen, die in der Zeit zwischen 1997 und 2001 durchgeführt wurde. Wie lässt sich nun aber seelische Gesundheit und der «Erfolg» einer Psychotherapie messen? Im Zusammenhang mit dieser Frage wird in den Beiträgen des Buches diskutiert, welche Aspekte «objektiv» messbar sind (etwa Teile der damit verbundenen Gesundheitskosten) und welche sich einer solchen Quantifizierung entziehen. Denn schliesslich kann vieles, was mit seelischer Gesundheit, Kreativität, Arbeits-, Genussund Beziehungsfähigkeit verbunden ist, «nur erzählt und nicht gezählt werden».
Im Rahmen der dargestellten repräsentativen Stichprobe wurden alle ehemaligen Patienten untersucht, die 1990 und 1993 ihre psychoanalytischen Langzeitbehandlungen bei Analytikern der Deutschen Psychoanalytischen Vereinigung (DPV) beendet hatten. Es ist hervorzuheben, dass diese Patienten bereit waren, nicht nur einige der in der Psychotherapieforschung üblichen Fragebögen auszufüllen, sondern in intensiven Interviews von ihren detaillierten und sehr individuellen Eindrücken und Einschätzungen, ihren positiven und negativen Erfahrungen in den zurückliegenden mehrjährigen Therapien und deren Langzeitwirkungen zu erzählen. Es gelang ferner, die anfänglichen Bedenken der beteiligten 62 Psychoanalytiker zu überwinden, die schliesslich aktiv am Forschungsprozess beteiligt waren. Es wurde ein multiperspektivisches Vorgehen mit einer Kombination psychoanalytischer und nichtpsychoanalytischer Forschungsansätze gewählt.
In diesem Buch werden theoretische Überlegungen, empirische Befunde der Katamnesestudie und Beobachtungen mit klinischen Fallbeispielen verbunden. Jedes Kapitel schliesst mit einer ausführlichen narrativen Zusammenfassung einer exemplarischen Katamnese.
Die Interviewstichprobe der retrospektiven Katamnesestudie enthielt ehemalige PatientInnen, die zu Beginn der Behandlung in mehr als der Hälfte aller Fälle unter «narzisstischen Persönlichkeitsstörungen», ferner unter «affektiven Störungen» (etwa 30%) und «neurotischen Störungen» (u.a. Zwangsstörungen, Konversionsstörungen) litten. Das weitverbreitete Vorurteil, dass nur «gesunde Luxuspatienten» in psychoanalytischen Langzeittherapien behandelt werden, konnte widerlegt werden. Interessanterweise beurteilten die Experten der lokalen Forschungsgruppen in der Tendenz den Behandlungserfolg am strengsten, die ehemaligen PatientInnen am mildesten. Etwa 80% der PatientInnen berichteten positive Veränderungen im bezug auf das Befinden, die sozialen Beziehungen, emotionale Grundstimmung, Selbstwertgefühl und Lebensbewältigung. Aufgrund des Designs konnten keine Aussagen zur Bedeutung der Frequenz der Behandlung abgeleitet werden. Zu den überraschenden Befunden gehörte eine auffallende Häufung real traumatisierter Patienten.
Die gewählte Darstellungsweise wird dem Kernanliegen in der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit ehemaligen Patienten, Kollegen, Vertretern anderer Therapieschulen und Verantwortlichen im Gesundheitswesen gerecht. Alle diejenigen, die daran interessiert sind, die Möglichkeiten, aber auch die Grenzen psychoanalytischer Verfahren bei spezifischen Patientengruppen kennenzulernen, werden eine Fülle an interessantem Material finden. Besonders bereichernd sind diejenigen Abschnitte des Buches, die dem Beachtung schenken, «was nicht gelungen war», nämlich der Untersuchung derjenigen Therapieverläufe, die zu einem negativen Ergebnis geführt hatten (besonders unzufrieden: 5 PatientInnen). Mangelnde Berufserfahrung und unprofessioneller Umgang mit der Negativübertragung werden als Determinanten negativer Therapieverläufe diskutiert. Ferner werden die Probleme der Behandlung von Borderlineund psychotischen PatientInnen erörtert. Das Buch trägt insbesondere auch zu einer verstärkten Auseinandersetzung mit den «Prozessen des Zueinanderpassens» von Patient und Analytiker und einer patientenspezifischen—im Gegensatz zu der störungsspezifischen—Indikationsstellung psychotherapeutischer Behandlungen bei. Die Beiträge des Buches lassen sich durchaus lesen als eine Reflektion der dem Buch vorangestellten kritischen Einschätzung von Jürgen Habermas: «Der szientistische Glaube an eine Wissenschaft, die eines Tages das personale Selbstverständnis durch eine objektivierende Selbstbeschreibung nicht nur ergänzt, sondern ablöst, ist nicht Wissenschaft, sondern schlechte Philosophie.»

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MDPI and ACS Style

Böker, H. Marianne Leuzinger-Bohleber: «Forschen und Heilen» in der Psychoanalyse. Swiss Arch. Neurol. Psychiatry Psychother. 2004, 155, 235-236. https://doi.org/10.4414/sanp.2004.01506

AMA Style

Böker H. Marianne Leuzinger-Bohleber: «Forschen und Heilen» in der Psychoanalyse. Swiss Archives of Neurology, Psychiatry and Psychotherapy. 2004; 155(5):235-236. https://doi.org/10.4414/sanp.2004.01506

Chicago/Turabian Style

Böker, H. 2004. "Marianne Leuzinger-Bohleber: «Forschen und Heilen» in der Psychoanalyse" Swiss Archives of Neurology, Psychiatry and Psychotherapy 155, no. 5: 235-236. https://doi.org/10.4414/sanp.2004.01506

APA Style

Böker, H. (2004). Marianne Leuzinger-Bohleber: «Forschen und Heilen» in der Psychoanalyse. Swiss Archives of Neurology, Psychiatry and Psychotherapy, 155(5), 235-236. https://doi.org/10.4414/sanp.2004.01506

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