W.-T. Chiu, M.-C. Kao, C.-C. Hung, S.-Z. Lin,
H.-J. Chen, S. F. T. Tang, B. J. Hoffer, Y.-H. Chiang (Eds.):
Springer Verlag KG, 2008. Gebunden,
Reihe: Acta Neurochirurgica, 177 Seiten.
CHF 298.–. ISBN 978-3-211-78204-0.
Das Fach Neurochirurgie beschäftigt sich hauptsächlich mit der Entfernung und Behandlung von raumfordernden Krankheiten, Blutungen, mit dem Ausschluss von Blutungsquellen oder
Beseitigung von Kompression neuraler Strukturen. In allen diesen Sparten schwingt aber das funktionale Ziel einer Verbesserung oder Wiederherstellung von Hirnfunktionen mit. Diese konkomitanten Ziele lassen sich als eigener Trend in der Neurochirurgie darstellen. Damit ist als erster Versuch in der Reihe der Supplementa der Acta Neurochirurgica, Band 101, der übersichtliche Band «Reconstructive Neurosurgery» von W.-T. Chiu et al. entstanden.
Die Autoren stammen hauptsächlich aus Taiwan, einer sehr innovativen und aktiven Gruppe mit einer Verbindung zum NIH (B. Hoffer, Baltimore). Schon dieses Netzwerk beinhaltet innovatives Denken, welches am 5. Meeting für Neurorehabilitation und rekonstruktive Neurochirurgie in Taipeh, zusammen mit dem zweiten Kongress der Internationalen Gesellschaft für rekonstruktive Neurochirurgie, vorgetragen wurde.
Diese Sammlung von originalen Arbeiten informiert den Leser über Konzepte und neue Ideen in der funktionalen Neurochirurgie, z.B. Deep-Brain-Stimulation (DBS) bei neuropsychologischen Störungen. Trotz einer leidvollen Vorgeschichte der Psychochirurgie tasten sich hier unbelastete Forschungsgruppen an das Ziel der Verbesserung psychischer Krankheiten mittels minimal-invasiver Methoden wieder an. Charakteristisch für diese Sichtweise neurochirurgischer Konzepte ist die Konfrontation mit nicht-invasiven Methoden wie Radio-Chirurgie, z.B. bei der Trigeminusneuralgie.
Im Bereich Neurorehabilitation werden Träume wie die Wiederherstellung von Rückenmarksfunktionen nach Trauma wieder aufgegriffen. Unerwartete Aspekte der Plastizität von einzelnen Rückenmarkneuronen einerseits, epidemiologische Aspekte der Outcome nach Schädel-Hirn-Trauma andererseits werden hier behandelt.
Im Bereich Neurorehabilitation zeigt sich, dass sich der Effekt forcierter Plastizität des Gehirns, wie z.B. durch Therapien mit constrained-induced-movement in kontrollierten Studien nicht nachweisen lässt.
Ein Kapitel über Schädel-Hirn-Trauma selber verliert sich allerdings in heterogenen Berichten ohne innovativen Charakter.
Im Bereich der Radiochirurgie ergibt sich in einem Vergleich früherer Resultate bei der Behandlung verschiedenster Tumoren und Gefässmissbildungen auf unterschiedlichen Kontinenten ein uneinheitliches Bild – diesbezüglich wird leider nicht über mögliche langzeitige Kollateralschäden berichtet.
Im Ganzen gesehen lohnt sich das Buch für den sich für hochspezialisierte Resultate und Methoden interessierten Fachleser. Die eigentliche Plattform der Kongresse selber wird für Neurochirurgen ergiebiger sein als das vorliegende Buch. In dem Sinne spiegelt es nicht ganz die innovative Atmosphäre von Wissensaustausch wider, wie sie nur bei der Teilnahme an solchen Kongressen möglich ist.
Hans Landolt, Aarau
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