Es gibt nur wenige deutschsprachige Werke zum Thema der neurologischen Komplika tionen der HIV-Infektion. Gabriele Arendt von der Neurologischen Universitätsklinik Düsseldorf schliesst hiermit eine Lücke.
Das Buch gibt einen guten Überblick über die neuesten epidemiologischen und genetischen Daten; es beinhaltet ein ausführliches Kapitel über die Neuropathogenese der HIVInfektion; es schildert die HIV-assoziierten neurologischen Erkrankungen, die opportunistischen Erreger, die Tumoren und die Begleiterkrankungen; es beschreibt die Zusatzdiagnostik bei Neuro-AIDS; und es hält sich auf dem neuesten Stand der sich ständig v orwärts entwickelnden HIV-Therapien. Ein Kapitel ist auch den psychiatrischen Aspekten der HIV-Infektion gewidmet. Schliesslich enthält das Buch auch ein sehr ausführliches Literaturverzeichnis.
Der Neurologe begegnet im Zeitalter der hochaktiven antiretroviralen Therapie (HAART) mit verbesserter Gesamtprognose wohl eher diskreteren neurologischen Manifestationen, die erst nach einem Langzeitverlauf zum Vorschein kommen können: Im G egensatz zur früher häufiger auftretenden HIV-assoziierten Demenz trifft der Neuro- loge heute zum Beispiel eher milde neuro- kognitive Defizite oder gar asymptomatische, neurokognitive Einschränkungen an, die nur durch gezielte neuropsychologische Abklärungen entdeckt werden können. Eine Langzeittherapie mit Stavudin kann ein neuromuskuläres Syndrom mit Laktatazidose verursachen, das wegen seiner hohen Mortalitätsrate erkannt werden muss. Die oppor- tunistischen Infektionen des Nervensystems haben trotz HAART leider nicht wesentlich abgenommen. Das Spektrum der antiretro -viralen Substanzen nimmt stetig zu, das Buch beschreibt ihre neurologischen Nebenwirkungen und Interaktionen mit anderen in der Neurologie gebräuchlichen Medikamenten. Der Leser wird auch mit dem immun- rekonstruktiven inflammatorischen Syndrom vertraut gemacht, das erst seit Einführung der HAART beobachtet wird. Andererseits wird der Leser aber auch daran erinnert, dass sich etwa ein Viertel der HIV-positiven Patienten ihrer Infektion nicht bewusst ist.
Dieses Buch ist zusammenfassend ein gut lesbares, nützliches und reich illustriertes Nachschlagewerk, das sich hauptsächlich an die Neurologen, aber auch an alle Kliniker richtet, die an den neurologischen Aspekten der HIV-Infektion interessiert sind.
A. J. Radziwill, Lausanne
CH-8091 Zürich Redaktion Buchbesprechungen: Prof. Dr. med. C. Bassetti Neurologische Poliklinik Universitätsspital Frauenklinikstrasse 26
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