Überbelegte psychiatrische Kliniken
Viele Kantone der Schweiz, beispielsweise Bern, Zürich, Aargau, Waadt und Baselland, melden über 100% dauerbelegte psychiatrische Kliniken. Dies häufig trotz gutausgebauter sozialpsychiatrischer Dienste. Ist hier ein Trend zu verspüren, dass auch niederschwellige Angebote dieser Kliniken benutzt werden? Flüchten sich immer mehr Menschen in die geschützten Orte? Trotz kürzerer Aufenthaltsdauer und rascher Rehabilitation scheint der Bedarf zunehmend zu sein. Kantonsweise werden nun Lösungen gesucht.
Im Aargau werden eine neue Aufnahmestation sowie ein starker Ausbau der sozialpsychiatrischen und ambulanten Dienste und neue Tageskliniken geplant.
Psychisch kranke Menschen mit zum Teil schweren Erkrankungen können laut einer Studie der Universität Zürich viel besser in der freien Wirtschaft beschäftigt werden als bisher angenommen. Sie sollen nicht mehr auf dem Markt der geschützten Werkstätten hängenbleiben. Hier spielt der Support- oder Arbeitscoach eine wichtige Rolle. Die Devise lautet: Zuerst plazieren, dann trainieren.Eine intensive Zusammenarbeit mit den Arbeitgebern ist vonnöten, und die Grundlagen dazu sind vorhanden. Können die in der 5. IV-Revision vorgesehenen Bemühungen für eine Flexibilisierung der Arbeitsintegration zu einer Verbesserung führen?
Burnout
Nachdem Burnout zu einem zunehmend gehäuften Phänomen wird, scheinen die Chefs sich auf eine oft fehlende Kultur zu besinnen, die den Lebenszyklen der Mitarbeitenden Rechnung trägt, wo offen über Befürchtungen, Ängste und Überforderungen diskutiert wird und welche die Mitarbeitenden auch echte Wertschätzung spüren lässt. Entwickelt sich hier ein neues Führungsverständnis?
Qualitätssicherung
Die Patientenbefragungen sollen ab sofort regelmässig im Internet publiziert werden und stellen den ersten Schritt zu einem Benchmark unter den Kliniken dar. Einige Kliniken haben bereits begonnen, diese Erfahrungen untereinander zu vergleichen. Im argen liegt oft noch die Medikamenteninformation gegenüber den Patienten.
Tag der psychisch Kranken
Am 10. Oktober fand der internationale Tag der psychisch Kranken mit dem Thema ‹Transkulturelle psychische Gesundheit› statt. Viele Studien zeigen, dass die üblichen psychiatrisch-psychotherapeutischen Hilfsangebote bei Migranten zu kurz greifen. Das Bundesamt für Gesundheit hat das Projekt ‹Migrant-Friendly Hospitals› initiiert, das ein Netzwerk der gesundheitsfördernden Spitäler bilden soll.
Forensik—Verwahrung
Es werden immer mehr Menschen verwahrt, wobei die geistig abnormen Menschen deutlich zugenommen haben. Dies ist wohl eine Folge der Forderung nach Null-Rückfallrisiko. Die meisten dieser Patienten haben schwere Gewalt- und Sexualdelikte begangen und gelten als extrem gefährlich und nicht therapierbar. Dies sind die Ergebnisse aus der Zürcher Forensik-Studie zwischen 2000 und 2005, die sich auf 469 Gewalt- und Sexualstraftäter im Kanton Zürich beruft.
Kiffen und Schizophrenie
Eine Studie der Universitätsklinik in Zürich ergab, dass die Rolle von Cannabis als Risikofaktor für psychische Krankheiten neu eingeschätzt werden muss. Es erscheint weniger harmlos, besonders bei Menschen, die aufgrund einer familiären Belastung anfällig auf psychische Krankheiten sind, als bisher gemeinhin angenommen wurde.
Ärztemangel
In den psychiatrischen Einrichtungen der Schweiz macht sich zunehmend ein Ärztemangel bemerkbar. Auf der einen Seite sind es die jungen Assistenzärzte, die andere Fächer wählen, auf der anderen Seite ist es auch zu einem gesamthaften Rückgang der aus dem Ausland zuwandernden Kollegen gekommen.
Dies scheint parallel zum absehbaren Hausärztemangel zu geschehen und dürfte in den nächsten Jahren zu einer Unterversorgung an psychiatrischen Einrichtungen führen.
Aus den Kantonen
Aargau
Auf dem Areal der Psychiatrischen Klinik Königsfelden ist eine psychiatrischpsychotherapeutische Jugendlichenstation mit 14 Plätzen eingeweiht worden, die bereits voll ausgebucht ist.
Durch eine mögliche Übernahme des Hauptgebäudes der Klinik Königsfelden ist eine Diskussion für deren Ersatz im Gange, die auch sozialpsychiatrische Überlegungen einbezieht.
Appenzell Ausserrhoden
Der Kanton lanciert in Ausserrhoden ein Bündnis gegen Depression, wie dies bereits in vielen anderen Kantonen eingerichtet worden ist.
Bern
Langenthal
Eine Notfalltriage und eine mobile psychiatrische Kriseninterventionsabteilung sind die neuen Dienstleistungen. Die Patienten werden vor der Aufnahme gelegentlich sogar zu Hause aufgesucht im Sinne einer Triage.
Thun
Psychisch Kranke sollen vermehrt zentral und zu Hause behandelt werden. Ein Ausbau der Dienste in Zweisimmen soll geschehen.
UPD Bern
Die Geschäftsleitung wird von drei auf vier Personen aufgestockt. Vorsitzender der Geschäftsleitung ist Bruno Guggisberg, Direktor des Bereichs Dienste und Betriebe, sowie Wilhelm Felder als Ärztlicher Direktor und Ulrich von Allmen als Direktor Pflege und Pädagogik.
Interlaken
In der Nachfolge des pensionierten Ueli Corrodi wurden Matthias Streich und Thomas Ihde als neue Chefärzte gewählt.
Graubünden
In der Klinik Beverin wurde eine Psychotherapie-Station 55+ für psychogeriatrische Patienten eröffnet.
Luzern
Im ehemaligen Kloster St. Urban verfügt der Kanton über Gebäude, die für die Erfüllung des Leistungsauftrages der Luzerner Psychiatrie nicht mehr benötigt werden. Sie werden nun vermietet oder im Baurecht abgegeben.
Ein Team von Ärzten, Ärztinnen und Pflegenden besucht akut psychisch kranke Menschen zu Hause. Dieses Luzerner Pilotprojekt wird derzeit in der Stadt und in der Agglomeration Luzern getestet. Mit diesen mobilen Equipen wird versucht, Hospitalisationen zu verhindern.
Obwalden/Nidwalden
In der Psychiatrieklinik Sarnen hat es zu wenig Platz, sie soll deshalb erweitert werden.
Der neue Chefarzt heisst Conrad Frey und kommt aus Bern. Er übernimmt die Nachfolge von Jörg Püschel, der die Leitung der Psychiatrischen Dienste Schaffhausen übernommen hat.
St. Gallen
Die Stadt St. Gallen erhält ein psychiatrisches Zentrum in Form einer Tagesklinik.
Thurgau
Die Akuttagesklinik in Kreuzlingen hat ihre Tätigkeit aufgenommen und ist eine Ergänzung zur bestehenden gemischten Tagesklinik von Littenheid. Dadurch soll erreicht werden, dass vermehrt Vollhospitalisationen vermieden werden können.
Zürich
In der Psychiatrischen Klinik Rheinau ist der Sicherheitstrakt für psychisch kranke Straftäter eingeweiht worden. In Bülach wurde eine neue psychiatrische Tagesklinik eingerichtet.
Ehrungen
Prof. Dr. Heinz Stefan Herzka, Zürich, erhält den Margrit Egnér-Preis für sein Lebenswerk. Herzliche Gratulation!
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