Sexueller Missbrauch
In einem 130 Seiten starken Papier fordert die Gruppe um den Kollegen Werner Tschan, Basel, eine Beratungsstelle der FMH zur Beratung von Ärzten, die sich durch sexuelle Übergriffe bei Patienten strafbar gemacht haben. Eine fünfjährige Pilotphase wird vorgeschlagen. Die Ärztekammer soll darüber befinden.
Ein neuer Bundesgerichtsentscheid bekräftigt das Bedürfnis und erklärt die Strafbarkeit gemäss Art. 193 Abs. 1 StGB: «Ausnützung einer Notlage».
Die Bibliotherapie
Lesegruppen oder im Rahmen der Psychotherapie vermittelte Texte sollen neue Lebens- und Werterfahrungen ermöglichen, Einblicke in bisher unbedachte Zusammenhänge und Konflikte gewähren, die Kommunikationsfähigkeit verbessern und dadurch auch die Bereitschaft, etwas in seinem Leben zu verändern. Dies gilt nicht nur für Kinderbilderbücher, die oft einen pädagogischen Wert haben, sondern auch für persönliche Erfahrungen von Schriftstellern, die Patienten neue Wege aus Krisen zeigen können.
Invalidenversicherung
Der Bundesrat hat eine Aussprache zur Revision der Invalidenversicherung geführt und die Vorlage in gewissen Punkten abgeändert, so soll namentlich der Anspruch auf eine IV-Rente an strenge Bedingungen geknüpft und die Wiedereingliederung der betroffenen Personen forciert werden. Der Bundesrat verspricht sich davon eine Reduktion der Neurenten um 20%.
Diese erfreuliche Entwicklung dürfte aber bei psychischen Erkrankungen eine zusätzliche Problematik ergeben, da die Zuwachsrate bei diesen in den vergangenen zehn Jahren am meisten angestiegen ist und die Invalidität durch Leiden der Bewegungsorgane übertrifft (von 25 auf fast 40% aller Rentenentscheide).
Werden bisher schlampige Diagnosen der Hausärzte, grosszügiges Verhalten der begutachtenden Psychiater, Unflexibilität bei den Organen der Invalidenversicherung als Gründe dieser Entwicklung angegeben, so wäre es wohl nun angebracht, über die Ursachen dieser zunehmenden Invalidisierung nachzudenken. Seltsamerweise korreliert diese Entwicklung mit der deutlichen Zunahme des Bedarfes nach psychiatrischen ambulanten und stationären Leistungen.
Spitexdienste für psychisch Kranke
Mit einem Grundsatzentscheid des Eidgenössischen Versicherungsgerichts vom Mai sind auch die Spitexdienste für psychisch Kranke fortan kassenpflichtig (Urteil K 101- 04 vom 18. März 2005). Dadurch werden viele offene juristische Verfahren hinfällig, da sich die Krankenkassen weigerten, diese Leistungen zu honorieren. Besonders in der Nachsorge von psychischen Krankheiten, bei Verwahrlosungsgefahr und im Rahmen von beginnenden Altersdemenzen sind diese Angebote sinnvoll und auch kostengünstig.
Rauchen in der Psychiatrie
Die Antiraucherkampagne hat auch die psychiatrischen Kliniken erfasst. Wurden vor Jahrzehnten noch Arbeitsleistungen von Patienten in Zigaretten und Stumpen ausbezahlt, so werden derzeit ganze Kliniken für rauchfrei erklärt beziehungsweise die rauchenden Patienten auf die «Strasse» geschickt.
Aus den Kantonen
Aargau
Roman Vogt, der bisherige Leiter des Stützpunktes Baden, wurde zum Chefarzt des EPDs der Psychiatrischen Dienste Aargau gewählt.
Im Herbst soll die Jugendstation der Psychiatrischen Dienste in Königsfelden durch eine Aufstockung auf insgesamt 14 Plätze erweitert werden. Dadurch soll der zunehmenden Zuweisung von Jugendlichen in die Klinik für Erwachsene Rechnung getragen werden.
Baselland
Zum neuen Chefarzt der Externen Psychiatrischen Dienste des Kantons Baselland wurde Alexander Zimmer als Nachfolger von Jakob Bösch, der in den Ruhestand tritt, auf den 1. Februar 2006 gewählt.
Bern
Die Waldau feierte im April ihr 150jähriges Bestehen, wir gratulieren ganz herzlich dazu. Bei dieser Gelegenheit postuliert Prof. Christian Müller zu überdenken,ob, im Sinne des Abschieds vom Irrenhaus, es nicht an der Zeit wäre, psychiatrische Kliniken zu schliessen und durch andere Einrichtungen zu ersetzen. Zur gleichen Zeit beschloss der Regierungsrat einen Kredit von 12,3 Mio. für die Renovation der Klinik.
Es wird beschlossen, im Frühling 2006, im Anschluss an den altersbedingten Rücktritt von Hans-Dieter Brenner und Hans-Ulrich Fisch, alle psychiatrischen Universitätsdienste einem einzigen Chef, Werner Strick, zu unterstellen.
Genf
Seit April 2005 übernimmt Daniele Zullino als neuer Chefarzt die Leitung des Bereiches «Service d’abus de substance» des Departements für Psychiatrie der Universitätsklinik in Genf.
Luzern
St. Urban: Eine ehemalige Aufnahmestation wird durch einen Unternehmer und Eisenplastiker übernommen und zu einem Kunstpavillon umgebaut.
Solothurn
Ab 2006 wird der neue Direktor der Kantonalen Psychiatrischen Dienste, Herr Dr. phil. Heinz Kohler, die Nachfolge von Herrn Rolf Neuenschwander übernehmen.
Zürich
Im Rahmen des Sparauftrages will die Gesundheitsdirektion Stellen abbauen, die therapeutischen Standards reduzieren, grössere Abteilungen einrichten sowie zunehmend Generika verordnen lassen. Zudem sollen die Grundsätze ambulant vor stationär und Patientennähe weiterhin konsequenter verfolgt werden.
In der psychiatrischen Klinik Schlössli in Oetwil am See wurde ein der Akutpsychiatrie dienender Neubau mit 72 Betten eröffnet. Dies entspricht 4 Akutstationen, die die geschlossenen Stationen überflüssig machen sollen. Ein 4-Stern-Hotel-Standard soll es den Stationen erlauben,Behandlungsschwerpunkte im psychotherapeutischen, psychosomatischen und komplementärmedizinischen Bereich anzubieten.
Mit einem Ja-Stimmen-Anteil von gut 60% haben sich die Zürcher Stimmenden für den Neubau des Sicherheitstraktes für psychisch kranke Straftäter im Psychiatriezentrum Rheinau ausgesprochen. Die Gebäude sollen in rund zwei Jahren betriebsbereit sein.
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