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1 January 2002

Editorial

So wie das Fach Psychiatrie eine breite Palette menschlicher Erfahrungen betrifft, bietet dieses Heft einen Reigen unterschiedlicher Themen und Erfahrungen an. Im Vordergrund steht die gesellschaftliche Relevanz; sei es pathologisches Spielen, Menschen aus dem Ausland oder in Extremsituationen wie Haft, bei der Diskriminierung am Arbeitsplatz oder als psychotische Künstler. Ein Artikel geht auf die Frage der zukünftigen Betreuung psychisch Kranker im Tagesklinik-Setting ein, ein Thema, das von zunehmender Bedeutung sein wird beim rasant zunehmenden Bedarf an psychiatrischem und psychotherapeutischem Angebot.
Die Eröffnung neuer Spielcasinos in der Schweiz infolge der befürwortendenVolksabstimmung wird uns in vermehrtem Masse auch spielsüchtige Patienten bescheren. Um darauf vorbereitet zu sein, wird es notwendig sein, von den Erfahrungen anderer Länder zu profitieren und eigene Therapieprogramme zur Verfügung zu haben. Es scheint vorgesehen zu sein, dass aus dem Erfolg dieser Casinos finanzielle Mittel für einen Teil solcher Hilfestellungen zur Verfügung gestellt werden.
In drei Regionen der Schweiz wurde untersucht, inwiefern Patienten, die aus dem Ausland oder aus der Schweiz stammen, psychiatrische ambulante und stationäre Institutionen benutzen. Es zeigen sich vor allem im ambulanten Bereich deutliche Unterschiede, vor allem bei somatoformen, Stress- und affektiven Erkrankungen. Bei den Hospitalisationen ist dieser Unterschied nicht nachweisbar.
International wird seit langem beobachtet, dass die Suizidraten Inhaftierter im Vergleich zu den Raten in der Allgemeinbevölkerung um ein Mehrfaches erhöht sind. Dieser Unterschied hat in den letzten 12 Jahren auch in der Schweiz zugenommen. Auf die Komplexität dieser Fragestellung wird aufmerksam gemacht und weitere Forschung zum Verständnis empfohlen.
Bei Mobbing von Menschen mit homosexueller Orientierung scheint es zwei Gruppen zu geben, eine kleinere hoch diskriminierte sowie eine wenig diskriminierte. Dies wirkt sich auch auf die somatischen Symptome im Sinne von psychosomatischen Folgen aus. Hauptsächlich Oberbauchbeschwerden und Rückenschmerzen werden beschrieben.
Aus der Universitätsklinik der Technischen Universität Dresden berichten Kallert und Schützwohl über die Effektivität tagesklinischer psychiatrischer Behandlung, und es zeigt sich, dass kaum mehr Patientengruppen von tagesklinischer Behandlung ausgeschlossen werden und die Akzeptanz von den Angehörigen und Patienten gegenüber stationärer Behandlung deutlich erhöht ist. Die Kostenersparnis ist nicht ausreichend belegt, doch dürften solche Angebote bei der derzeitigen zunehmenden Überbelegung der psychiatrischen Institutionen das Mittel der Wahl sein. Es bedarf hier allerdings noch der Vergleichbarkeit unter den verschiedenen Institutionen.
Michel Lansel versucht, eine differenzielle Komorbidität in bezug auf Panik und Depression unter Einbezug epidemiologischer, phänomenologischer sowie neuro- und pharmakochemischer Aspekte zu untersuchen. Er spricht von einem «panisch-depressiv agoraphobischen Komplex» und postuliert ein einheitliches Geschehen, wobei subsyndromale Krankheitsformen, die etwas darüber aussagen könnten, schwer zu fassen sind. Der Erfolg anti-depressiver Behandlung könnte diese Beobachtung bestätigen.
«Schizophrene sind Künstler, wir geben ihnen bloss keine Gelegenheit dazu.» Leo Navratil stellt einen seiner Künstler, einen Lyriker aus dem Haus der Künstler von Gugging, vor und widmet diese Arbeit Manfred Bleuler zum Gedächtnis, der schon früher auf das Phänomen der künstlerischen Produktivität schizophrener Patienten aufmerksam gemacht hat.
Karl Studer, Münsterlingen

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