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Darmstadt: Steinkopff; 2001. Gebunden, 304 Seiten, 20 Abb.
Fr. 132.50/DM 146.59,
ISBN 3-7985-1274-4
Dieses Buch möchte eine Lücke in der Therapie neurologischer Krankheiten schliessen, die zu schliessen dringend nötig wäre, indem es die vielfach umstrittene, tausendfach eingesetzte, einfach zu praktizierende Behandlung mit hochdosierten intravenösen Immunglobulinen (IVIG) kritisch beleuchtet, nach den Kriterien der Evidenz-basierten Medizin. Dass wenig konkrete Daten, sprich kontrollierte randomisierte Studien, existieren, kann nicht zu Lasten der Autoren ausgelegt werden. Das Unterfangen gelingt daher nur teilweise.
Die 14 Kapitel sind prägnant abgefasst und von ausgelesenen Experten geschrieben. Die ersten drei Kapitel widmen sich grundsätzlichen Fragen wie der Herstellung, Verträglichkeit und Sicherheit der IVIG, den potentiellen Wirkungsmechanismen sowie den Nebenwirkungen und den diesbezüglichen Risikofaktoren. Der interessierte Leser findet ausführliche, zum Teil übersichtlich tabellarisch dargestellte Ursachen und Methoden zur Vermeidung von Nebenwirkungen systemischer oder lokal organspezifischer Natur. Das sehr aktuelle Problem der Virus- und Prionenübertragung wird besonders ausführlich erläutert. Die potentiell äusserst vielfältigen Wirkungsmechanismen der poliklonalen Immunglobuline werden einzeln diskutiert. Es ist aber immer noch unklar, welcher bei den einzelnen Indikationen jeweils für den Therapieeffekt ausschlaggebend ist. Die Pathomechanismen der verschiedenen Nebenwirkungen, sofern bekannt, werden erklärt und deren Risikofaktoren aufgelistet, ebenso wie das therapeutische Vorgehen bei deren Auftreten.
Anschliessend werden in separaten Kapiteln Einsatz und Wirksamkeit der IVIG anhand der in der Literatur verfügbaren Studienergebnisse bei folgenden (gesichert oder potentiell) immun vermittelten Krankheitsbildern erläutert: Myositiden; Erkrankungen der neuromuskulären Übertragungsstelle (Myastenie und Lambert-Eaton-Syndrom), Guillain-Barré-Syndrom und chronisch inflammatorisch demyelinisierenden Neuropathien (CIDP); multifokaler motorischer Neuropathie (MMN); Polyneuropathie bei monoklonaler Gammopathie; akuten autonomen Neuropathien; Stiff-man-Syndrom und Neuromyotonie; paraneoplastischen neurologischen Syndromen; Multipler Sklerose; Vaskulitiden; seltenen Indikationen.
Jedes Kapitel beginnt mit einer Übersicht, oft sehr ausführlich, über Klinik, Diagnostik und oft Differentialdiagnostik der einzelnen Krankheitsbilder. Ich persönlich finde diesen Aufbau langfädig bis langweilig und vom eigentlichen Thema des Buches – Stellenwert der IVIG-Therapie – ablenkend.
Die Idee, den einzelnen Kapiteln eine Zusammenfassung voranzustellen, ist begrüssenswert; nur enthält diese kaum je Angaben oder gar eine kritisch erstellte Zusammenfassung zum Hauptthema des Buches: Stellenwert der IVIG-Therapie. Schade!
Zusammenfassend gibt dieses Buch eine kompakte Übersicht über Klinik, Diagnostik und Therapie immunvermittelter neurologischer Krankheiten. Etwas im Widerspruch zum Titel des Buches nimmt die IVIG-Therapie nur einen kleinen Platz ein, was den aktuellen (dürftigen) Wissensstand und die geringe Zahl kontrollierter Studien bzw. Evidenz-basierter Daten widerspiegelt. Dies kann nicht den Autoren angelastet werden und schmälert den Wert des Buches nicht.
M. Sturzenegger, Bern
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