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1 January 2002

Georg Milzner: Die Poesie der Psychosen. Zur Hypnotherapie des Verrücktseins

Forchstrasse 391, CH-8008 Zürich, Switzerland
Die Titulatur lädt zur «Utilisation» (S. 51) ein, weckt jedenfalls Neugier nach dem Inhalt und der implizierten Exposition der Selbstcollage des Autors, der Nietzsche als Leihidentitätsvorbild von Revolte gegen genormte Systeme erlebt, von Milton Erikson in seine Hypnose-Trance-Suggestionen geführt wurde, der sich, engagiert bis zur eigenen Lyrikproduktion, in das unerschöpfliche Fascinans des Interaktionsspiels mit schizophrenen Menschen einliess und der von Laing psychiatriekritischen Aufwind und den Schlüssel zum Zugang zu psychotischen Menschen empfing. In Selbsterfahrungen besonderer Bewusstseinszustände, facilitiert auch durch Homöopathie, wächst ihm die Kreation «schizo-therapeutischer Trancen» (S. 131) als hoffentlich heilsame therapeutische Antwort auf die misslungene Collage des schizophrenen Selbst zu. «Gelingendes Selbstmanagement – das Wechselnkönnen zwischen Psychose und Normalität, zwischen Chaos und Ordnung – schliesst nun chaotisch-psychotische Prozesse, Prozesse des Verrückens ein. Es ist das Hineintauchen in Multisuggestionalität, die poetische Qualität unseres Lebens, um die es dabei geht» (S. 185). Eine regenbogenfarbenreiche Patchwork-Selbstcollage, ein bunt plätscherndes, manchmal undeutlich murmelndes Sprach-Bächlein, das sich durch blumenreiche, mit Heil- und Giftkräutern angereicherte Sumpfwiesen schlängelt. Welche Leserin, welcher Leser ist von der Lust gepackt, getrieben, sich den Suggestionen dieser Poesie in «assoziativer Trance» (S. 128) hinzugeben? Sie sehen es an diesem Text: Der Rezensent ist der Hypnose dieses Sprachspiels schon verfallen.
C. Scharfetter, Zürich

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