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1 January 2000

Thomas Heise (Hg.): Transkulturelle Beratung, Psychotherapie und Psychiatrie in Deutschland †

†
Berlin: Verlag für Wissenschaft und Bildung; 2000. Bd. 5 der Reihe: Das Transkulturelle Psychoforum, hg. v. Thomas Heise und Judith Schuler. 416 Seiten. DM 96.–
Swiss Arch. Neurol. Psychiatry Psychother.2000, 151(5), 225-226;https://doi.org/10.4414/sanp.2000.01182 
(registering DOI)
Der Autor Thomas Heise, kulturachtender und -neugieriger und darum für diese Aufgabe kompetenter Psychiater und Sinologe, legt hier in fruchtbarer Zusammenarbeit mit dem VWB-Verlag eine umfangreiche (416 Seiten) Standortbestimmung der derzeit in Deutschland angebotenen, transkulturell ausgerichteten Beratung vor: die der diagnostischen Klärung und Therapie dienenden Angebote für Immigranten, Asylanten, Rücksiedler, auch Migranten im Pensionsalter, für Kinder und Jugendliche, die vielfach als Traumatisierte nach Deutschland geflohen kamen, für Frauen, speziell auch Folteropfer. 60 Autoren referieren über ihre Einrichtungen und Erfahrungen, zum Teil auch Forschungsprojekte. 37 institutionelle Angebote, einschliesslich sprachkompetenter Privatpraxis, werden vorgestellt: Versorgungszentren mit speziellem Dolmetsch- und Therapieangebot durch Ärzte und Psychologen, die selbst immigriert waren, Polikliniken, Ambulatorien, Schwerpunktpraxen, Beratungsstellen für Folterund Vergewaltigungsopfer, Spezialeinrichtungen von kinder- und jugendpsychiatrischen Kliniken. So erhält der Leser einen Einblick in die vielfältigen praktischen Angebote der Betreuung, Beratung, Therapie durch multiprofessionelle Teams. Als besonders wichtig werden das Dolmetscherproblem, überhaupt die Sprach- und damit Verständigungsschwierigkeiten behandelt, die ja nicht nur das Übersetzen betreffen, sondern z.B. die Position des Übersetzers zum Klienten und zum Team, die andere Sprachgestalt, die Beschwerden, Konflikte, Begehren zum Ausdruck bringen. In einzelnen Aufsätzen wird das praktische Vorgehen auch anhand von Kasuistiken anschaulich gemacht. Auch der Einbezug körpertherapeutischer Arbeit wird als wichtig erkannt. Chinesische und ayurvedische Medizin können Adjuvantien therapeutischer westlicher Angebote sein. – So entstand ein wertvoller reichhaltiger Band, der hoffentlich viele Institutionen, die noch keine solchen Angebote haben, anregt, ähnliche zu entwickeln. Der Bedarf ist gross! Die Grundhaltung der Achtung von anderen Kulturen, auch in ihrem Potential, die unsere vor Verarmung und Vereinseitigung zu bewahren, uns also zu bereichern, sowie die Grösse, der Umfang und die Schwierigkeit der Aufgaben schützen die Helfer vor Grandiositätsgefühlen, für die der eurozentrische Weisse gefährdet ist.
Ch. Scharfetter, Zürich

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