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  • Editorial
  • Open Access

1 January 1998

Editorial: Soziale Faktoren und Krankheitsverlaüfe in der Psychotherapie- und Demenzforschung

Psychiatrische Klinik, CH-8596 Münsterlingen
In der vorliegenden Nummer werden Themen aufgegriffen, die mit der Bedeutung der Umgebung der Patienten zu tun haben. Reagieren die Kleinkinder depressiver Eltern auch depressiv, oder kann geradezu die Depression der Eltern von den Kindern abgelesen werden? Braucht es ein neues sozialpsychiatrisches Verständnis im Umgang mit dementen Patienten? Wie sollen die Angehörigen, die professionellen Helfer eingebunden werden?
Aus diesen Artikeln schimmert die Frage der Bedeutung sozialer Beziehungen und Krankheitsverläufe durch. Soziale Vererbung, Coping-Strategien und die Unterstützung dieser Ressourcen durch Fachleute sind Themen, die zunehmend Bedeutung erhalten und den Rahmen bisheriger sozialpsychiatrischer Betrachtungsweise sprengen. Interdisziplinarität wird gefordert und ein neues Selbstverständnis psychiatrischer Fachleute. Soziologisches und pädagogisches Wissen wird zunehmend verlangt und sprengt auch ein rein systemisches Denken.
Als zweites Thema kommt «Psychotherapie» zur Sprache, hier als Behandlung eines chronisch depressiven Patienten und im Rahmen der empirischen Psychotherapieforschung. Wird auf der einen Seite Psychotherapie als Chance zur Erlernung neuer Bewältigungsstrategien bei chronischer Krankheit gesehen, so ist im zweiten Artikel der Versuch gemacht, naturwissenschaftliches Denken für Qualitäts- und Effektivitätsnachweis bei Psychotherapie zu nutzen. Hier sei die Diskussion offen, inwiefern der Wunsch nach messbarem Erfolg mit technischen Mitteln erfüllt werden kann oder ob andere Instrumente gefunden werden müssen, um die Legitimation dieser Therapieform zu begründen. KVG, Politiker und Versicherungsvertreter zwingen uns quasi dazu, und die Frage bleibt bestehen, ob es neurobiologische und psychophysiologische Instrumente sein werden. Es ist hier schon der Begriff «Neuromythologie» gefallen, und wir erwarten ein breites Echo zu dieser Auseinandersetzung.
Bedeutung haben diese Instrumente sicher in der Differentialdiagnostik bei Demenz und Depression, um besonders eine reversible Demenzsymptomatik im Rahmen schwerer depressiver Erkrankungen festzustellen und entsprechende therapeutische und prognostische Konsequenzen zu ziehen.
Ein besonderer Forumsbeitrag handelt von einem sakralen Weltverständnis und von der Bedeutung des Wiederholungsgebetes zu Gunsten einer psychosomatischen Basistherapie.
Die Aktualitäten und Buchbesprechungen illustrieren zuletzt, wie sich die Trends der täglichen Arbeit in den Medien widerspiegeln.
Karl Studer, Münsterlingen

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