Uta Jaenicke: Traumdeutung
Theorie und Praxis der Traumauslegung in der Daseinsanalyse. Berlin: Springer; 2022. 320 Seiten,
EUR 40.00. ISBN 978-3-662-64924-4
Nicht nur ein halbes Jahrhundert fachärzt licher Bildung und Erfahrung sind in dieses Buch eingegangen. Die Autorin hat sich einen eigenen Weg im weiten Feld der Psychiatrie und Psychotherapie gebahnt und dabei ein geglücktes Mass Unabhängigkeit von ihren Lehrern bewiesen, sodass ihre Lehre von der daseinsanalytischen Traumdeutung eine origi nale Kreation geworden ist.
Der kundige Leser findet in Uta Jaenickes eingängig und verständlich geschriebenem Buch die Freud’sche Traumlehre und Traum deutung durchaus enthalten. Ein Seitenhieb gegen den Freud’schen Diskurs stammt meines Erachtens aus der Schule von Medard Boss, der oft gehässig gegen Freud argumentierte. So steht auf Seite 18: «Mit diesem hermeneu tischen Phänomenologiebegriff hat die Da seinsanalyse die Möglichkeit, wie Freud von einem verborgenen Sinn der Traumphänomene auszugehen, obwohl sie phänomenologisch bei den Sachen selbst bleibt – ‹entgegen allen freischwebenden Konstruktionen (Heidegger (1927), S. 28)›». Wenn wir in der genannten Referenz «Sein und Zeit» nachlesen [1, S. 28], finden wir an dieser Stelle keine Nennung Freuds und auch keine Anspielung auf ihn. Vielmehr ist Heidegger in bester Freud’scher Manier Vertreter des «zu den Sachen selbst!» [1, S.27], wenn er sich gegen die «freischwebenden Konstruktionen, zufälligen Funde(n) […] Übernahme von nur scheinbar ausgewiesenen Begriffen» [1, S. 28] etc. ausspricht.
Uta Jaenicke distanziert sich von ihrem Lehrer Boss (S. 305 ff), indem sie, vereinfacht gesagt, das Interesse mehr auf die je einmalige Person des Patienten legt, während Boss sich mehr auf die Frage verlegt hatte, wie sehr der Patient neurotisch in seiner Freiheit eingeschränkt ist (S. 305 f).