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Swiss Archives of Neurology, Psychiatry and Psychotherapy is published by MDPI from Volume 176 Issue 1 (2026). Previous articles were published by another publisher in Open Access under a CC-BY (or CC-BY-NC-ND) licence, and they are hosted by MDPI on mdpi.com as a courtesy and upon agreement with Editores Medicorum Helveticorum (EMH).
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Book Review

Krise–Krisenintervention–Kriseninterventionszentrum

by
Thomas von Salis
Swiss Arch. Neurol. Psychiatry Psychother. 2023, 174(1), 32; https://doi.org/10.4414/sanp.2023.03294
Published: 15 February 2023
Das hier vorgestellte Buch befasst sich mit etwas sehr viel präziser Definiertem: Die durch die Krise entstehende Spannung soll zur Lö sung der Krise genutzt werden. (S.262). Dem Patienten wird Zeit eingeräumt – etwa drei Wochen für die Krisenarbeit werden abge macht. Auch die Betreuer brauchen Zeit. Sie müssen sich informieren über den Patienten, sein Umfeld und seine Geschichte und sich untereinander und mit dem Patienten einig werden über die Interventionen, Massnahmen, das Verstehen der gegebenen Situationen. Ra camier wird zitiert: «Das Psychische (heraus) finden» («rendre repérable») (S.274).
Die Aufrechterhaltung und die spätere Wiederbelebung und Verbesserung der bis herigen Beziehungen, einschliesslich der thera peutischen, ist ein zentrales Anliegen der Kri senintervention. All dies ist heute zunehmend in Gefahr, verunmöglicht zu werden (S. 254 256), ist schon in grossen Stücken verloren ge gangen, und muss also zurückerobert werden.
Die neueren Entwicklungen der psychody namischen Kurztherapie machen es möglich, dem Trend zur Zeitrationierung mit noch mehr Kurzzeitmethode zu begegnen (S.261). Jean Nicolas Despland beschreibt im 7. Kapitel die vierstündige Kurztherapie, die seit 1988 in Lausanne entwickelt wurde (S. 123 ff). Man könnte sagen, es handle sich um ein Kondensat einer klassischen Psychoanalyse! Freilich ist es das Ziel, den Patienten, wenn möglich und nötig einer langfristigen Therapie nach der Krise zuzuführen. Bei dieser Kurztherapie wer den im Gegensatz zur traditionelleren Krisen intervention die schweren schizophrenen und affektiven Psychosen ausgeschlossen (S.125).
Dass der alten Version des Buches in der Neuausgabe nebst dem Kapitel über Kurz therapie auch eines über die Problematik mit Migranten beigefügt ist (Saskia von Overbeck Ottino), ist zeitgemäss und ohnehin notwen dig. In diesem Kapitel wird der Begriff des «kul turellen Unbewussten» verwendet. Das lädt zu einer Diskussion der Dialektik in den Begriffen des Individuellen und des Kollektiven ein. Wie passt das kulturelle Unbewusste (man denke an die alte Jung’sche Formulierung des «kol lektiven Unbewussten») zum Strukturmodell Freuds, das das Überich zur Instanz der Werte und Verbote erklärt, das also zuständig sein soll auch für alles Ideologische und Kulturelle, so fern es nicht im Ich repräsentiert ist? Ich ver stehe die Autorin so, dass das Kulturelle unter dem Druck des Institutionalisierten eine be sondere Aufmerksamkeit und Achtung erfor dert, die durch entsprechende ethnologische Kenntnisse verständlich gemacht und gestützt werden. Man kann sich nicht erlauben, an gesichts einer Problemlage, die das Kulturelle betri@, lediglich die gewohnten Überich Deu tungen zu verwenden, wie sie in der traditio nellen individuellen Psychotherapie angebracht sein können. In der traditionellen Medizin wird das Kollektiv oft in die Behandlung einbe zogen, zum Beispiel mit Ritualen. Darauf wird näher eingegangen, so auf S.210: «représenta tions ontologiques, étiologiques et thérapeu tiques». Ontologisch ist zum Beispiel die An sicht, Babys gehörten noch nicht zu den leben den Menschen, sondern zu den Toten, solange sie nicht sprechen; therapeutischen Repräsen tanzen in der traditionellen Medizin ent sprechen Schutz Riten oder Gegenzauber («dé senvoûtement»). Klinische Fallbeispiele wie «Joseph» (S.205 und 212f.) zeigen, wie oft für «westliche» Betreuer unerwartete Vorstellun gen vorherrschen: Der wenig zugängliche, «langweilige» Patient stösst erst anlässlich des
Stammbaumstudiums auf seine verdrängte Familiengeschichte, was nun den Prozess der freien Assoziation in Gang bringt. Das Krisen interventionsmodell, dessen Theorie den kri senhaften Zustand des Patienten als eine Mas kierung ungelöster alter Konflikte auffasst und zu technisch flexibler und kreativer Arbeit an hält, ist für die Besonderheiten der Migranten besonders geeignet (S.219 f). Erforderlich ist dazu ein doppelter Zugang, psychopatholo gisch («singulier») und kulturell, im Fall Joseph wurde die Massage als Schutz vor bösen Geis tern im Rücken empfunden. Gedacht war sie als Tätigkeit in einem Übergangsraum vom So matisieren zum Mentalisieren. Der Kontext der Migration, einschliesslich der oft grausam wir kenden Reglemente im Gastland, ist manchmal so schlimm, dass die Betreuer es kaum aushal ten können und versucht sind, sich auf kodifi zierte individuell psychopathologische Katego rien zu beschränken, um der Belastung ange sichts des wahren Ausmasses der Traumatisie rung auszuweichen. Durch zu rasche Massnahmen der Symptombekämpfung verge ben sie sich die Chance, in tiefere Schichten vorzustossen und die Krise fruchtbar zu ma chen. Das Buch ist methodisch einleuchtend auf gebaut. Ein erster Teil führt in die Problematik ein. Die intervierenden Beteiligten dürfen sich nicht von der vordergründigen Darstellung der Hilfsbedürftigkeit täuschen lassen. Die Analyse der Anfrage verlangt grosse Offenheit und Fle xibilität, sodass ein für den jeweiligen Fall ad äquates Vorgehen gewählt werden kann. Der Beginn der Intervention hat sehr rasch, innert 24 Stunden, zu erfolgen. Die folgenden drei bis zehn Tage nannten Andreoli et al. (1986) die Phase der wichtigen Krisen Interaktion, in der der unselbständige Patient nicht in die Passivi tät fallen darf, mit der die sogenannte «barrière au traitement» (Scott, 1973) aufgerichtet würde – die unfruchtbare Situation, in der der Patient zum total Hilflosen (gemacht) wird.
In den weiter folgenden Kapiteln gehen die Autoren auf die einzelnen Probleme ein, bis zum Schluss ein «runder Tisch» die heutige Situation beleuchtet, um die mehr denn je not wendige Einrichtung einer Krisenintervention lege artis zu begründen.
Nicolas de Coulon: La crise. Stratégies d’intervention thérapeutique en psychiatrie Lausanne: Éd. Antipodes; 2021. Collection Boîte à outils. Revidierte und erweiterte Ausgabe, 309 Seiten, Fr. 32.– ISBN: 978-2-88901-193-3
Nicolas de Coulon: La crise. Stratégies d’intervention thérapeutique en psychiatrie Lausanne: Éd. Antipodes; 2021. Collection Boîte à outils. Revidierte und erweiterte Ausgabe, 309 Seiten, Fr. 32.– ISBN: 978-2-88901-193-3
Sanpp 174 00032 g001

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von Salis, T. Krise–Krisenintervention–Kriseninterventionszentrum. Swiss Arch. Neurol. Psychiatry Psychother. 2023, 174, 32. https://doi.org/10.4414/sanp.2023.03294

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von Salis T. Krise–Krisenintervention–Kriseninterventionszentrum. Swiss Archives of Neurology, Psychiatry and Psychotherapy. 2023; 174(1):32. https://doi.org/10.4414/sanp.2023.03294

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von Salis, Thomas. 2023. "Krise–Krisenintervention–Kriseninterventionszentrum" Swiss Archives of Neurology, Psychiatry and Psychotherapy 174, no. 1: 32. https://doi.org/10.4414/sanp.2023.03294

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von Salis, T. (2023). Krise–Krisenintervention–Kriseninterventionszentrum. Swiss Archives of Neurology, Psychiatry and Psychotherapy, 174(1), 32. https://doi.org/10.4414/sanp.2023.03294

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