Springer, New York; 2010. Second Edition.
Gebunden, 346 Seiten.
Preis CHF 155.–. ISBN 978-1-60327-033-5.
Mit der zweiten Auflage Ihres klinischen Handbuches vertiefen und erweitern Attarian und Schuman das bereits vorhandene und schnell wachsende Wissen im Bereich der Schlafstörungen im Allgemeinen und der Insomnie im Speziellen. Unterstützt von einer breiten Gruppe von Schlafforschenden aus unterschiedlichen Disziplinen spannen die Herausgebenden einen gut nachvollziehbaren Bogen zwischen grundlegenden epidemiologischen Daten und klinisch angewandten psycho- und pharmakotherapeutischen Anweisungen. Besonders erwähnungswert ist die Tatsache, dass in der neuen Auflage nebst den klassischen Störungsbildern verschiedene Kapitel vorhanden sind, welche sich mit insomnischen Störungen bei verschiedenen Bevölkerungsgruppen befassen. Indem die spezifische Situation von Kindern, Jugendlichen, Schwangeren, periund postmenopausalen Frauen und älteren Menschen fokussiert wird, eröffnet sich die Möglichkeit einer holistischen Sicht auf das Phänomen der Insomnie, welche gewohnte (und teils unfruchtbare Pfade) verlässt und der ausserordentlich häufigen Problematik der Schlaflosigkeit im medizinischen Alltag gut entspricht. Der klinische Bezug wird schliesslich mit den im Appendix angefügten Dokumenten geschafft, wo sich beispielsweise Vorschläge für eine strukturierte Schlafanamnese, ein Schlaftagebuch oder verschiedene Selbstbeurteilungsskalen für insomniegeplagte Patienten finden lassen.
Kritisch ist anzumerken, dass das Buch insbesondere in den ersten Kapiteln unter inhaltlichen Redudanzen leidet. So wird die Problematik der unterschiedlichen Definitionen der Insomnie unter den diversen Einteilungssystemen zwar mehrfach (und teilweise äusserst knapp) angeschnitten, doch findet sich nirgends eine genaue Auseinandersetzung mit der Definitions- und Forschungsgeschichte insomnischer Beschwerden, was bei einer so jungen akademischen Fachrichtung von immenser Bedeutung wäre. Ebenso muss klar bemängelt werden, dass trotz des Versuchs, sich möglichst breit mit dem Thema auseinanderzusetzen, wichtige Inhalte nicht zur Sprache kommen. Besonders erstaunlich ist es, dass trotz Hinwendung zum Thema «Schlafen und Altern» (Kap. 10) und «Circadiane Rhythmen und Insomnia» (Kap. 18) mögliche Zusammenhänge zwischen Schlaflosigkeit und Delir nur in Nebensätzen kommentiert werden. Rätselhaft wirkt die Platzierung des Entzugsdelirs im neurologischen und nicht im psychiatrischen Teil. Nicht zufrieden stellend ist letztlich die Neigung vieler Autorinnen und Autoren, sich im psychotherapeutischen Bereich ausschliesslich auf kognitivverhaltenstherapeutische Ansätze zu konzentrieren. Explizit unverständlich ist dies bei Schlafstörungen, welche durch anderweitige psychiatrische Störungen (wie z.B. Depression) hervorgerufen werden und sich ihrerseits erwiesenermassen mittels psychodynamischen oder systemischen Ansätzen erfolgreich therapieren lassen.
Zusammenfassend kann das Buch für den interessierten Kliniker, welcher sich ein kompaktes Grundwissen im Bereich insomnischer Störungen aneignen will, empfohlen werden. Gleichwohl ist zu hoffen, dass in einer zukünftigen Auflage die Herausgeber mehr Wert auf die Schlusseditierung (samt Layout) legen werden.