Peter Berlit, Astrid Grams: Bildgebende Diagnostik in Neurologie und Neurochirurgie. Interdisziplinäre methodenorientierte Fallvorstellung. Stuttgart: Georg Thieme Verlag; 2010. 1. Auflage. Gebunden, 208 Seiten, 267 Abb., 17 Tab. Preis Fr. 133.–, Euro [D] 79,95, Euro [A] 82,20. ISBN 978-3-13-143661-0.
In Erstauflage ist kürzlich das Werk «Bildgebende Diagnostik in Neurologie und Neurochirurgie» vom Neurologen Peter Berlit und der Radiologin Astrid Grams erschienen. Anhand von insgesamt 65 Fallbeispielen bietet dieses Kompendium eine praxisorientierte Hilfestellung bei der Interpretation von neuroradiologischen Befunden. Einleitend wird dem Leser eine Übersicht über die wichtigsten neuroradiologischen Untersuchungstechniken geboten. Die einzelnen Fälle werden jeweils von einer kurzen klinischen Vignette eingeleitet, es folgen eine Zusammenfassung der typischen bildgebenden Befunde inklusive einzelner MR-, CT-oder Angiographiebilder und Therapieempfehlungen sowie der weitere klinische Verlauf. Zusätzlich werden in Merkkästen die empfohlene bildgebende Diagnostik aufgeführt und die typischen bildgebenden Befunde nochmals stichwortartig zusammengefasst. Abgerundet werden die einzelnen Krankheitsbilder mit zusätzlichem Hintergrundwissen, welches jedoch in den meisten Fällen vielmehr einen Schwerpunkt auf die Klinik als auf die Bildgebung setzt. Während sich die klinischen Vignetten sehr flüssig lesen und ein gutes Bild vermitteln, sind die Abschnitte über die bildgebende Diagnostik – das eigentliche Kernstück dieses Werkes – sehr kurz gehalten. Eine Differentialdiagnose anhand der MR- und CT-Befunde findet kaum statt, die Auswahl der Beispielbilder ist (zu) knapp gehalten, so dass eine fundierte Beurteilung der neuroradiologischen Untersuchungstechniken kaum möglich ist. Weiter findet z.B. das Perfusions-CT, welches in der Akut-Diagnostik des Schlaganfalles an vielen Zentren routinemässig eingesetzt wird und eine wichtige Entscheidungshilfe bezüglich i.v.-/i.a.-Lyse ja/nein bietet, keine Berücksichtigung in den Fällen, welche sich um akute zerebrovaskuläre Ereignisse drehen. Den Autoren gelingt der Versuch, mit wenigen Sätzen hilfreiche Therapieempfehlungen zu den teils sehr komplexen Krankheitsbildern zu vermitteln, in vielen Fällen leider nicht. In diesem Kontext stellt sich die Frage, ob die Autoren nicht besser die neuroradiologischen Aspekte anstelle von Therapieempfehlungen und klinischem Hintergrundwissen in den Vordergrund gerückt und auf letztere verzichtet hätten. Somit bleibt der zusätzliche Nutzen dieses Werkes im Vergleich zu einem klassischen Lehrbuch der klinischen Neurologie beschränkt; der von den Autoren eingangs erwähnten Anforderung, selbständig und zuverlässig neuroradiologische Untersuchungen beurteilen zu können, kann es meines Erachtens jedenfalls nicht genügen.
Alexander A. Tarnutzer, Zürich