Berlin: Springer; 2004. Gebunden, 379 Seiten, 158 Abb., 56 Tab.
Fr. 132.–, ISBN 3-540-21482-8
Das vorgelegte Vielmänner- und -frauenbuch der Herausgeber Rosenow, Tronnier und Göbel präsentiert in deutscher Sprache den Versuch, «Neurogenen Schmerz» interdisziplinär in seiner Pathophysiologie, Semiologie und seinen therapeutischen Dimensionen zu erfassen. Als Zielgruppe dieses Buches werden im Geleitwort von Marco Mumenthaler (nicht von den Herausgebern) mit verschiedenen Spezialistengruppen letztlich alle an der Schmerztherapie Interessierten genannt. Dieses ist zweifellos richtig. Das Buch stellt den Versuch dar, einen Teilaspekt des Schmerzes abzuhandeln, und gelangt bei diesem Versuch an die Grenzen dieses Konzeptes, da die meisten der behandelten Schmerzen eine saubere Einteilung in nozizeptive und neurogene (notabene neuropathische) Schmerzen nicht erlauben. Die Benutzung eines im deutschsprachigen Raumes eher ungewöhnlichen Begriffes, nämlich neurogen versus neuropathisch, führt zu Verwirrung auch der Autoren selbst, die sich zwischen beiden Begriffen nicht entscheiden können. Das Werk präsentiert sich mit viel Licht und etwas weniger Schatten. Es ist inhomogen und in den Darstellungen bezüglich Einteilung und Länge der Kapitel schlecht gewichtet. Das Kapitel 7 «Neurologische Untersuchung» ist in dieser Form völlig inadäquat und entbehrlich, die Schmerzanamnese im gleichen Kapitel völlig unzureichend. Das Kapitel 6 «Bildgebende Diagnostik» stellt ein umfangreiches Bilderalbum dar, das mit dem Thema eigentlich wenig zu tun hat. Ausgezeichnet sind hingegen die einleitenden grundlegenden Kapitel 1–3 und 18, die bei der Einordnung von Syndromen und Schmerzkrankheiten helfen. Die zahlreichen weiteren Kapitel hinterlassen einen zwiespältigen Eindruck, da vielfach nicht zwischen subjektiver Erfahrung des Autors und evidenzbasierter Medizin unterschieden wird. Somit wird häufig erst der schmerztherapeutisch wirklich Erfahrene von manchen Kapiteln profitieren, da er in der Lage ist, eine kritische Haltung gegenüber manchen Aussagen einzunehmen. So wird in Kapitel 9 bei der Therapie der Trigeminusneuralgie die Jannetta-Operation als erste Wahl «ohne Wenn und Aber» empfohlen, andererseits bei der Thermokoagulation des Ganglion gasseri nicht auf das erhöhte Risiko bei einer Neuralgie des V1 hingewiesen. Hingegen wird bei der Multiplen Sklerose und symptomatischer Trigeminusneuralgie die Thermokoagulation als erste Wahl und nicht als Ultima ratio angesehen. Das Buch wird ergänzt durch eine CD-ROM mit zwei illustrativen interventionellen Techniken. Schlussendlich kann das Buch, das in Preis, Aufmachung und didaktischer Darstellung völlig angemessen ist, unter der Voraussetzung einer kritischen Auseinandersetzung empfohlen werden. Es stellt jedoch keine «schmerztherapeutische Bibel» in deutscher Sprache dar.
U.W. Buettner, Aarau