München: Urban & Fischer Verlag; 2004.
2. Auflage. Gebunden, XVI, 1264 Seiten, 158 Abb., 296 Tab.
Fr. 207.–, ISBN 3-437-22480-8
Mathias Berger, Psychiatrieordinarius von Freiburg i. Br., und Mitarbeiter legen hier eine eindrückliche und sehr gut gelungene Neuerung vor: ein evidenzbasiertes handbuchartig grosses (1264 Seiten) Lehrbuch der Psychiatrie, mit Beiträgen vieler Autoren, aber dennoch einheitlich strukturiert und gestaltet. Das Neue daran ist die Orientierung des mitgeteilten Fachwissens an den Prinzipien der Evidence-Based Medicine (deren Kriterien aufgeführt werden) und die Fundierung der Therapievorschläge auf systematischen Metaanalysen und Übersichtsarbeiten, die vom Deutschen Cochrane Zentrum (in Freiburg) als Zweig des internationalen Cochrane-Netzes und des Centre for Reviews and Dissemination (Struktur, Prinzipien, Geschichte werden einleitend dargestellt) erarbeitet wurden. So entstand ein impressionables Werk, das zum Lernen, Lehren, Nachschauen und zur Fortbildung sehr informativ und didaktisch geeignet ist.
Der allgemeine Teil präsentiert Untersuchung und Befundung (Wahn erscheint traditionsgemäss als inhaltliche Denkstörung), Psychopharmakologie, Psychotherapie (mit einem Abschnitt über negative Effekte von Psychotherapie), Sozialpsychiatrie, Psychoedukation, Ratgeber für Patienten und Angehörige. Der spezielle Teil behandelt die grossen Krankheitsgruppen. Auch eine Reihe von Spezialgebieten ist berücksichtigt: z.B. Psychotraumatologie, dissoziative, artifizielle Störungen, Hyperaktivitätssymptome, Gerontopsychiatrie, -psychotherapie, Konsiliardienst, Forensik, Transkulturelles und Migrationsprobleme.
Themen der transpersonalen Psychiatrie sind nicht aufgenommen, die Stichworte Religion, spirituelles Problem (die in der DSM-IV vorkommen) und Scham kommen im Stichwortverzeichnis nicht vor.
Zum Schluss sei noch eine allerdings verbreitete Fehlmeinung angemerkt: auf S. 513 wird behauptet: «Die psychodynamische Sichtweise der Wahnerkrankung wurde von Sigmund Freud … begründet.» (Psychiatriegeschichte ist noch nicht evidenzbasiert.)
C. Scharfetter, Zürich