Darmstadt: Steinkopff; 2002. Broschiert, 216 Seiten.
Fr. 39.–/€ 24.95, ISBN 3-7985-1336-8
Die Forschungsbemühungen der letzten Jahrzehnte stellen ein beachtliches Repertoire an therapeutischen Möglichkeiten zur Behandlung von Angststörungen bereit. Es steht ausser Zweifel, dass Angsterkrankungen in vielen Fällen erfolgreich behandelt werden können; bei der Panikstörung (mit/ ohne Agoraphobie) beispielsweise darf die parallele oder sequentielle Kombination von Psychopharmaka mit kognitiver Verhaltenstherapie heute als Goldstandard gelten, an dem sich zukünftige Verfahren zu messen haben. Die hohe Prävalenzrate von Angststörungen in der Allgemeinbevölkerung zwingt psychiatrisch und psychotherapeutisch tätige Fachpersonen, sich entsprechend fundierte Kenntnisse anzueignen. Dazu will das vorliegende Büchlein einen Beitrag leisten. Nach einleitenden Bemerkungen und Überlegungen zum diagnostischen Prozess (Kapitel 1–3) werden im wesentlichen die Panikstörung, Phobien, die generalisierte Angststörung, Ängste als Teil anderer Erkrankungen sowie die akute Belastungsreaktion als sogenannte situative Angst genauer besprochen (Kapitel 4–7).
Die anfänglichen Erwartungen werden beim Lesen allerdings rasch enttäuscht, über weite Strecken reiht sich Banales an Propädeutisches. Man erfährt etwa, dass Angst zum Leben gehört, vegetative Symptome auf eine Störung des vegetativen Nervensystems zurückzuführen sind und es uns vor Angst ganz heiss werden kann. Über ein Jahrzehnt nach der Erstauflage der ICD-10 klebt der Text stellenweise geradezu am Manual der WHO und leistet sich den Luxus einer extremen Redundanz, indem ganze Passagen mehrmals dem Inhalt nach und einzelne Abschnitte über viele Seiten hinweg gar wortwörtlich wiederholt werden. Die einzelnen Störungen werden dabei immer wieder von einer geringfügig veränderten Perspektive, aber mit doch fast den gleichen Worten besprochen, was das Lesen beschwerlich und den Text unübersichtlich macht. Eine gewisse Entschädigung für das Vorangegangene bietet der recht ausführliche Therapieteil (Kapitel 8), wenngleich man sich auch hier etwas mehr Präzision bei den Empfehlungen wünschen würde.
Insgesamt gelingt es der – klinisch zweifellos erfahrenen – Autorenschaft nur ungenügend, die anvisierte Zielgruppe (Fachpersonen) kompetent anzusprechen. Für erfahrene Therapeutinnen und Therapeuten ist der Text – v.a. die Kapitel 1 bis 7 – zu propädeutisch und eher auf die Bedürfnisse von interessierten Laien, Angehörigen und Betroffenen zugeschnitten. Dies zeigt sich auch am ultra-kurz geratenen Literaturverzeichnis. Das Büchlein hinterlässt den Eindruck, irgendwo zwischen einem Ratgeber und einer Fachpublikation zu schweben, ohne sich für die eine Seite richtig entschieden zu haben. Daran ändert auch der an den Schluss gehängte Übungsteil zur Selbstevaluation nichts.
R. Bridler, Zürich