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Swiss Archives of Neurology, Psychiatry and Psychotherapy is published by MDPI from Volume 176 Issue 1 (2026). Previous articles were published by another publisher in Open Access under a CC-BY (or CC-BY-NC-ND) licence, and they are hosted by MDPI on mdpi.com as a courtesy and upon agreement with Editores Medicorum Helveticorum (EMH).
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Editorial

Zur Sprache bringen †

by
Küchenhoff Joachim
Der Auftrag der Psychotherapie
Swiss Arch. Neurol. Psychiatry Psychother. 2019, 170(4), 1; https://doi.org/10.4414/sanp.2019.03060 (registering DOI)
Published: 1 January 2019
Mit diesem Heft setzt «Swiss Archives of Neurology, Psychiatry and Psychotherapy» einen markanten Akzent und betont die Chancen und Grenzen des Sprechens und der Sprache, die in Psychiatrie und Psychotherapie so wichtig sind. Das ganze Heft könnte, wie mein Editorial, die Überschrift «Zur Sprache bringen» tragen, den gleichen Titel, den das Symposion zu meinem Abschied als dem Direktor der Erwachsenenpsychiatrie der Psychiatrie Baselland im Sommer 2018 trug und dessen Beiträge Grundlage für die hier veröffentlichten Texte waren.
«Zur Sprache bringen» - das lässt sich erst einmal so verstehen: Ich kann etwas zur Sprache bringen, das vielleicht allen bekannt ist, vor dem aber alle ausweichen («to raise an issue»). Etwas wird ausgesprochen, das bislang tabuisiert, totgeschwiegen, vermieden worden ist und das nun bearbeitet und reflektiert werden kann. Ich kann aber auch in einem buchstäblichen, stärkeren Verständnis etwas zur Sprache bringen, indem ich Erfahrungen, die sich noch oder nicht mehr versprachlichen lassen, in Worte zu überführen versuche («to put into language»): Ich fasse das Unaussprechliche, das Unvordenkliche in Worte und mache es so zum Inhalt eines Gesprächs. In der therapeutischen Arbeit spielen beide Lesarten des «zur Sprache-Bringens» eine entscheidende Rolle. Das Therapiegespräch muss Mut zum Benennen und zur Suche nach dem richtigen Wort machen, so dass die Gesprächspartner miteinander in der Lage sind, individuell und kollektiv Verdrängtes bewusst zu machen, verworfene Erfahrungsbereiche in die Kommunikation zu reintegrieren und neue Erfahrungen entstehen und begrifflich fassbar werden zu lassen.
Diesen Fragen widmet sich das vorliegende Heft, zunächst durch eine philosophische Bestimmung der Möglichkeiten und der Grenzen sprachlichen Ausdrucks und sprachlicher Verständigung. Die Macht, die Ohnmacht, aber auch die Möglichkeiten eines Wiedergewinnens von Sprache durch Therapie werden philosophisch reflektiert (Emil Angehrn).
Wenn traumatisierende Lebenserfahrungen Jahrzehnte später, wie die des zweiten Weltkrieges und des Naziterrors in Deutschland, zur Sprache gebracht werden, so hilft das dem Einzelnen, es unterstützt das historische Bewusstsein aller – und schlägt eine Brücke zu dem, was heute dringlich ausgesprochen werden muss und eine grosse Aufgabe für Psychiatrie und Psychotherapie ist: das Schicksal der Flüchtlinge heute (Gertraud Schlesinger-Kipp). Zur Sprache bringen kann der Therapeut oder die Therapeutin aber nur, was er selbst hört. Um eine Psychotherapie gut durchführen zu können, bedarf es einer besonderen Schule des Hörens, das es ermöglicht, Erfahrungen und Erlebnisse einzubeziehen, die bislang nicht gehört worden sind, die in einem Doppelsinn unerhört geblieben sind (Rolf-Peter Warsitz). Oft aber reicht die verbale Sprache nicht an die Erfahrungsbereiche heran, die unausgesprochen und unaussprechlich geblieben sind. Daher sind die mit gutem Grund «kreativ» genannten Behandlungsformen, wie die Kunsttherapie und die körperbezogene Psychotherapie so bedeutsam: Sie kreieren, sie schaffen mitteilbare Ausdrucksformen (Zagorka Pavles, Christian Braendle). Schließlich wird in einem soziologischen Beitrag am Beispiel der autoritären Dynamik in der bundesrepublikanischen Nachkriegsgesellschaft gezeigt, wie notwendig es ist, sich die Fähigkeit zur Kritik auch der gesellschaftlichen Verhältnisse zu bewahren, um nicht einer politisch und sozial verursachten Sprachlosigkeit anheimzufallen (Oliver Decker).
Das vorliegende Heft befasst sich mit einem weit gefächerten und doch eng zusammengehörenden Themenfeld, das mir selbst ein großes Anliegen ist. Dass einige Beiträge des Liestaler Abschiedssymposions zusammen in einem Heft publiziert werden können, erlaubt es, den komplexen Verweisungszusammenhang der philosophischen, historischen, soziologischen und psychotherapeutischen Perspektiven sichtbar werden zu lassen.

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MDPI and ACS Style

Joachim, K. Zur Sprache bringen. Swiss Arch. Neurol. Psychiatry Psychother. 2019, 170, 1. https://doi.org/10.4414/sanp.2019.03060

AMA Style

Joachim K. Zur Sprache bringen. Swiss Archives of Neurology, Psychiatry and Psychotherapy. 2019; 170(4):1. https://doi.org/10.4414/sanp.2019.03060

Chicago/Turabian Style

Joachim, Küchenhoff. 2019. "Zur Sprache bringen" Swiss Archives of Neurology, Psychiatry and Psychotherapy 170, no. 4: 1. https://doi.org/10.4414/sanp.2019.03060

APA Style

Joachim, K. (2019). Zur Sprache bringen. Swiss Archives of Neurology, Psychiatry and Psychotherapy, 170(4), 1. https://doi.org/10.4414/sanp.2019.03060

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