Abhängigkeitserkrankungen des alternden und alten Menschen
Summary
Alkoholabhängigkeit und alkoholbezogene Krankheiten
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- der Anteil von Ex-Konsumierenden häufiger,
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- der tägliche Alkoholkonsum weiter verbreitet,
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- der schädliche Gebrauch von Alkohol häufiger [2],
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- die Häufigkeit punktuell risikoreichen Alkoholkonsums seltener,
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- die Häufigkeit von Alkoholexzessen (≥9 Drinks/Anlass) seltener als in der Gesamtbevölkerung.
- Physiologische Veränderungen erhöhen das Risiko für Intoxikationen schon bei geringen Dosen und führen z.B. zu erhöhten Plasmaspiegeln, verzögerter hepatischer und renaler Elimination. Die Alkoholdehydrogenase-Aktivität nimmt ab und augmentiert die Alkoholtoxizität.
- Begründete Fehlinterpretation von Symptomen wie Schwindel, Stürzen, kognitiver Störung.
- Polypharmazie fördert das Risiko für Interaktionen zwischen Alkohol und Medikamenten und erhöht das Nebenwirkungsrisiko.
- Morbidität verschleiert Symptome und Folgen der Alkoholkrankheit, hierzu gehören Herz-Lungen- Erkrankungen, cerebrovaskuläre Erkrankungen, Tumorerkrankungen, Multimorbidität, Demenz.
- Krankheitsverarbeitung und soziale Dimension führen zur Verleugnung, Bagatellisierung der Problematik, fehlendem Bewusstsein für die Suchtproblematik bei dem Patienten und im sozialem Umfeld. Die soziale Kontrolle ist gering. Stattdessen dienen Schmerzen, Schlaf-, Gedächtnisstörungen, Angst oder Depression der Kontaktaufnahme mit dem Hausarzt.
- Diagnostische Hilfen bedürfen einer sorgsamen Anwendung. Die Kriterien der ICD-10 werden von alten Menschen nicht erfüllt, Testinstrumente sind weniger sensitiv (Audit-C, CAGE), Fragebogen sind nicht für ältere Menschen validiert (fehlende soziale Auffälligkeiten, keine realitätsnahe Selbsteinschätzung), Laborparameter sind weniger valide.
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- Kognitive Verhaltenstherapie
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- Psychoedukation
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- Motivierende Gesprächsführung
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- Kontingenzmanagement
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- Adjuvante Sport-, Bewegungstherapien, Ergotherapie, Symptommanagement in altershomogenen Gruppen.
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- Einbezug von Partnern.
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- Der Postakutbehandlung sollte eine nachhaltige Abstinenzstabilisierung mit Rückfallprävention für mindestens ein Jahr folgen.
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- Supportive, stützende Grundhaltung
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- Traumatische Erlebnisse als Verdingkinder, Kriegskinder/-teilnehmer, sexueller Missbrauch, Scham.
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- Verlust von Bezugspersonen
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- Armut
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- Schwere körperliche Erkrankungen
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- Berentung
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- Begrenzte Lebenserwartung
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- Mitbehandlung körperlicher und/oder neurologischer Störungen und kognitiver Defizite
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- Förderung der sozialen Kompetenz, Teilhabe, Autonomie
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- Schaffung von Zugang zu den Leistungen des Gesundheitswesens
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- Anbindung an ambulante, teilstationäre, gemeindenahe Einrichtungen
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- Alltagsstrukturierung
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- Bei jüngeren Erwachsenen empirisch begründete Behandlungen (psychotherapeutisch, psychosozial und pharmakotherapeutisch) sollen auch allen älteren Personen mit alkoholbezogenen Störungen angeboten werden.
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- Kurzinterventionen sollen auch bei älteren Menschen angeboten werden.
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- Älteren Personen mit alkoholbezogenen Störungen, die auf Pflege angewiesen sind, sollten störungsspezifische Interventionen angeboten werden.
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- Berücksichtigung somatischer und psychischer Komorbidität (Planung und Durchführung von Interventionen, Behandlung).
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- Trainingsverfahren zur Verbesserung der Bewältigung der Aktivitäten des täglichen Lebens (ATL) sollten angeboten werden.
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- Es soll eine Postakutbehandlung (einschließlich Entwöhnung) der alkoholbezogenen Störung mit Hinweis auf die überdurchschnittlich günstige Prognose angeboten werden.
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- Beim Einsatz von Arzneimitteln in der Entwöhnungsbehandlung oder als «harm reduction» bei älteren Personen mit alkoholbezogenen Störungen gelten altersadaptiert die allgemeinen Regeln der Pharmakotherapie in der Postakutbehandlung.
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- Älteren Personen mit alkoholbezogenen Störungen kann niederschwellig eine stationäre Entzugsbehandlung angeboten werden.
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- Primärärztliche Versorgung: Älteren Personen mit alkoholbezogenen Störungen sollen in der primärmedizinischen Versorgung auf Veränderung ihres Alkoholkonsums und Inanspruchnahme therapeutischer Hilfe zielende Interventionen angeboten werden.
- Akohol- und der Missbrauch anderer Substanzen kann unentdeckt bleiben, wenn Screeningfragen während Routinekonsultationen oder Visiten vermieden werden.
- Der Gebrauch von Alkohol kann eine nicht erkannte Ursache für Stürze, kognitive Einschränkungen, Verschlechterungen und andere Medizinische Probleme sein (z.B. Anämien, erhöhte Leberwerte, Thrombozytopenie, Makrozytose).
- Als Ursache eines unklaren Delirs muss bei älteren Menschen die Diagnose eines Alkohol- oder Benzodiazepinentzugs in Erwägung gezogen werden.
- Eine durch Alkoholmissbrauch induzierte kognitive Störung bei älteren Menschen kann durch nachhaltige Abstinenz gelindert werden.
- Der Missbrauch von verordnungspflichtigen Medikamenten, einschliesslich von Benzodiazepinen und Opioiden, wird oft nicht erkannt.
- Die Option, das Rauchen aufzugeben besteht lebenslang.
Missbrauch und Abhängigkeit von Benozdiazepinen
- Nicht ausreichende Awareness
- Unzureichende Abklärung von auffälligen Symptomen oder Beschwerden
- Fehlinterpretation von Symptomen und Fehldiagnosen
- Scheu vor Thematisierung
- Stillschweigende Resignation
- Überforderung
- Fehlende Unterstützung durch Angehörige oder (Langzeit-)Institutionen
- Fehlendes Fachwissen
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- Aufklärung der Patienten (Beratung, Verlauf des Entzugs, positiver Outcome).
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- Die Rolle von Familien und Freunden: hilfreich oder dysfunktionell im Entzug?
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- Klare Strategie: Ausschleichen innerhalb einer Frist von <6 Monaten.
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- Substitution durch Diazepam (Liquid) & regelmässige Kontrolle der Medikation.
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- Medikamentöse Unterstützung des Entzugs.
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- Kombinierten Missbrauch von Alkohol und BDZ kombiniert angehen.
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- Rauchen nicht parallel zum BDZ Entzug aufgeben. Dies ist später möglich.
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- Verschicken eines Briefes mit einer Empfehlung zum Ausschleichen von BDZ.
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- Ermutigung zu Anpassungen des Lebensstils (z.B. Sport).
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- Eine begleitende Psychotherapie ist wirksam und wichtig.
- Eine Überprüfung der aktuellen Medikation – Beratung – Ausarbeitung eines Entzugsplans – Edukation für die verordnende und einnehmende Person sind sinnvoll (vgl. Arbeitsmaterial der Deutschen Gesellschaft für Gerontopsychiatrie und -psychotherapie [71]).
- Die Ausarbeitung/Supervision eines Entzugsplans und Augmentation mit einer (kognitiven) Psychotherapie sind effektiv. Eine psychopharmakologische Augmentation kann hilfreich sein.
- Die sichere Beurteilung von therapeutischen Langzeiteffekten ist in Ermangelung einer eindeutigen Datenlage nicht möglich. Eine Nachbetreuung von bis zu 12 Monaten scheint jedoch effektiv zu sein.
- Interventionen durch Versenden eines psychoedukativen Informationsbriefes an ältere Patienten unter Langzeitbehandlung sind wirksamer als Routineberatung.
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- Indikationen für einen BDZ-Entzug
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- Reduzierte Wirksamkeit der Medikation
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- Zunahme von Angst- und Schlafstörungen unter der Medikation
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- Unerwünschte Arzneimittelwirkungen
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- Rahmenbedingungen für einen Entzug:
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- Patienteneinverständnis muss vorliegen
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- Fraktioniertes Absetzen erfolgt über einige Monate hinweg
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- Ist auch in Pflegeheimen möglich.
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- Kann bei Low-doseAbhängigkeit in der Regel ambulant erfolgen.
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- Ein stationärer Entzug in einer psychiatrischen Fachklinik ist indiziert bei:
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- Multimorbidität
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- Hochdosiseinnahme
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- Mehrfachabhängigkeit
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- Schlechtem Allgemeinzustand
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- Instabiler sozialer Lebenssituation
- Restriktive Verschreibungspraxis
- Keine Gefälligkeitsverordnungen
- Keine Verordnung an Patienten mit Abhängigkeitsanamnese
- Rezepte an Patient persönlich aushändigen
- Hinweis auf Nebenwirkungen, welche die Fahreignung beeinträchtigen können
- Genaue Klärung der Therapiedauer
- Weiterbehandlung kritisch überprüfen
- Verordnung der kleinsten Packung
- Exakte Aufklärung über Abhängigkeitspotenzial
- Nach längerer Anwendung: Ausschleichen!
Tabakbezogene Störungen
Zusammenfassung
Acknowledgement
Funding / potential competing interests
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| Altersgruppe | Frauen | Männer | ||||
| Alkoholkonsum unter BZD-Konsumenten | ||||||
| Häufig | Binge | Schwer | Häufig | Binge | Schwer | |
| <65 Jahre | 10,8% | 19,2% | 10,8% | 26,7% | 42,6% | 20,6% |
| ≥65 Jahre | 10,4% | 8,0% | 4,5% | 23,1% | 24,9% | 12,3% |
| Substanz | Lorazepam | Bromazepam | Prazepam | Lormetazepam | Zolpidem | Zopiclon | |
| Indikation | Schlaflosigkeit | Angst | Angst | Angst | Schlaflosigkeit | Schlaflosigkeit | Schlaflosigkeit |
| Maximale geriatrische Dosierung | 2mg/d | 3 mg/d | 10mg/d | 30mg/d | 0,5mg/d | 5mg/d | 3,75mg/d |
| Diazepam- Äquivalent | 20 mg/d | 30mg/d | 20mg/d | 20mg/d | 3,3mg/d | 2,5mg/d | 2,5mg/d |
| 65-74 Jahre | 75+ | Rentner | Gesamtbevölkerung | |
| Täglich Rauchende | 10,8% | 5,1% | 9,2% | 18,0% |
| Männer | 10,7% | 6,8% | 10,1% | 20,8% |
| Frauen | 11,0% | 4,0% | 8,6% | 15,3% |
| Niemals Rauchende | 48,2% | 64,6% | 55,0% | 51,2% |
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Ibach, B. Abhängigkeitserkrankungen des alternden und alten Menschen. Swiss Arch. Neurol. Psychiatry Psychother. 2019, 170, 1-12. https://doi.org/10.4414/sanp.2019.03041
Ibach B. Abhängigkeitserkrankungen des alternden und alten Menschen. Swiss Archives of Neurology, Psychiatry and Psychotherapy. 2019; 170(3):1-12. https://doi.org/10.4414/sanp.2019.03041
Chicago/Turabian StyleIbach, Bernd. 2019. "Abhängigkeitserkrankungen des alternden und alten Menschen" Swiss Archives of Neurology, Psychiatry and Psychotherapy 170, no. 3: 1-12. https://doi.org/10.4414/sanp.2019.03041
APA StyleIbach, B. (2019). Abhängigkeitserkrankungen des alternden und alten Menschen. Swiss Archives of Neurology, Psychiatry and Psychotherapy, 170(3), 1-12. https://doi.org/10.4414/sanp.2019.03041
