Wolfgang Wöller, Johannes Kruse (Hrsg.): Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie. Basisbuch und Praxisleitfaden. Mit einem Geleitwort von Gerd Rudolf. Stuttgart: Schattauer; 2010. 3. überarbeitete und erweiterte Auflage. Gebunden, 582 Seiten, 10 Abb., 17 Tab. Preis Fr. 75.–. ISBN 978-3-7945-2664-2.
Dass ein psychotherapeutisches Fachbuch von fast 600 Seiten Umfang, das 2001 erstmals im Buchhandel erschien und 2004 eine Neuauflage erlebte, sich nun schon zum dritten Mal in überarbeiteter und erweiterter Form dem Publikum anbietet, mag alleine schon als Ausdruck von Qualität und Nachfrage imponieren. In der Tat ist «der Wöller Kruse» zum Standardwerk geworden für eine Psychotherapie, deren Verständnis von seelischem Leiden eine Tiefendimension mit einschliesst.—Als bedeutsame Weiterentwicklung der Psychoanalyse zählt tiefenpsychologische Psychotherapie heute im deutschsprachigen Raum zu den verbreitesten Behandlungsinstrumenten. Das vorliegende Buch besticht, denn es ist sowohl sorgfältig theoretisch fundiert wie ausserordentlich praxisbezogen. Ausgehend von wissenschaftlichen Untersuchungen über Funktionsweisen und Effizienz tiefenpsychologischer Psychotherapieformen nehmen die Autoren die Leserin/den Leser gewissermassen bei der Hand und führen sie kapitelweise Schritt für Schritt—«Bevor die Therapie beginnt», «Die Anfangsphase: Beziehungsaufbau und Problemexposition», «Die mittlere Phase: Einsicht und Beziehung, Widerstand und Übertragung», «Spezielle psychotherapeutische Techniken bei Patienten mit Strukturpathologien», «Besondere Patientengruppen», «Störungsspezifische Aspekte», «Besondere Therapieformen», «Die Endphase»—durch den therapeutischen Prozess, und dies in einer Weise, die sowohl allgemeinen Aspekten wie dem Einzelfall gerecht zu werden versucht. Gelungen ist dabei ein Nebeneinander von grösstmöglicher sachbezogener Differenziertheit und didaktischer Klarheit, ohne den Einzelfall und die aktuelle Therapiesituation ungebührlich schulmeisterlich einzuengen. Konkrete wortgetreue Interventionssequenzen zu den verschiedenen Therapiesituationen zeugen von der grossen Erfahrung und dem humanistischen Menschenbild der Autorinnen und Autoren und regen zu eigener kreativer Ausgestaltung an. Die einzelnen Kapitel sind mit ausführlichen Literaturangaben versehen. Das Buch kann gleicherweise als Lesebuch wie als Nachschlagewerk empfohlen werden. Es eignet sich als Orientierung für Neueinsteiger und bietet auch dem erfahrenen Therapeuten eine Fülle von wertvollen weiterführenden Gesichtspunkten.
Florian Langegger, Zürich