Nils Erik Gilhus, Michael R. Barnes and Michael Brainin, Hrsg.: European Handbook of Neurological Management. Volume 1.
Wiley-Blackwell; 2010. 2. Auflage. Hardcover, 584 Seiten. Preis £ 120.00 / Euro 144.–. ISBN 978-1-4051-8533-2.
Dieses Buch erscheint sechs Jahre nach der 2006 herausgegebenen ersten Auflage. Es wurde im Auftrag der EFNS (European Federation of Neurological Societies) verfasst. In gewissem Sinne stellt es eine einzigartige Publikation dar: In dem Buch wird versucht, Guidelines für den Umgang mit häufigen oder praktisch wichtigen neurologischen Problemen zu definieren. Allerdings ist die Auswahl in dem 580-seitigen Werk nicht ganz frei von Willkür bzw. Zufälligkeiten. So werden unter den Infektionskrankheiten lediglich die neurologischen Komplikationen von HIV-Erkrankungen und die virale Meningoenzephalitis aufgeführt, unter den acht Kapiteln der wichtigsten neurologischen Krankheiten der Cluster-Kopfschmerz und andere trigemino-autonome Kopfschmerzen etc. Zu jedem der Abschnitte figurieren als Autoren mehrere aus den verschiedensten Teilen Europas (zum Teil auch aussereuropäische) stammende Fachleute. In einem Abschnitt sind nicht weniger als 38 Autoren aufgeführt, so dass es eigentlich erstaunlich wäre, wenn alle jedem der in den entsprechenden Guidelines deklarierten Prinzipien vorbehaltlos zustimmen würden. Auch erscheint manchmal die Anzahl zitierter Literatur im Verhältnis zum präsentierten Text gar ausgiebig: Gelegentlich überschreitet die Anzahl Seiten zitierter Literatur die Anzahl Textseiten.
Trotz dieser Vorbehalte ist das Werk durchaus nützlich. Für viele neurologische Erkrankungen und Untersuchungsmethoden wurden deren grundsätzliche Aspekte kritisch in Bezug auf ihre Gültigkeit revidiert und entsprechende Prinzipien und Empfehlungen klar formuliert. Um Allgemeingültigkeit war man sehr bemüht. Dennoch wurde mit Recht im Vorwort festgehalten, dass es sich um Empfehlungen und nicht um rechtlich verbindliche Verpflichtungen handle. Der Leser wird in diesem Werk immer dann nützliche Hinweise finden, wenn er sich über die Gültigkeit bzw. Relevanz einzelner Befunde oder Empfehlungen orientieren möchte.
Marco Mumenthaler, Zürich