weiss, wohin man geht, sollte man sich erinnern, woher man kommt» (E. Heim). Die nachdenklichen analytischen Teile sind auch sehr sorgfältig dokumentiert. Die Reflexionen erlauben es, viele Aspekte der Geschichte der Tiefenpsychologien zu vertiefen, und sind eines Durcharbeitens wert. Das Problem der Idealisierungen und der unkritischen Nachahmung (S. 158) wird ebenfalls in Betracht gezogen. Neben Jungs «genialer Grösse» werden auch seine «Borderlinepersönlichkeit» (S. 127) und sein «Mythos» (S. 128) betrachtet – und der Narzissmus der Psychoanalytiker überhaupt. Wie weit das Aufdecken seiner – aus heutiger Sicht – fraglichen Verfehlungen, wie auch derer seiner heutigen Kollegen gerechtfertigt ist, bleibe dahingestellt.
Die Problemlösung durch Spaltungen spukt in den folgenden Generationen noch immer herum. Die breite Darlegung der minuziös dokumentierten zeitgenössischen Streitigkeiten, wofür eine viel kürzere Fassung genügen würde, zeugt davon. In der Beschreibung der heutigen Situation wird das Buch polemisch, bitter, anschuldigend, eine apologia pro domo – und entspricht somit nicht dem hohen Standard, den die Autoren sonst für sich in Anspruch nehmen. Es ist hinzuzufügen, dass die eine Autorin die Tatsache, dass sie als Präsidentin des Jung-Institutes selbst in die Geschichte verwickelt war, offen berichtet, und auch, dass sie demzufolge eine «subjektive Sichtweise» nicht hätte vermeiden können (S. 343). Die persönliche Beteiligung stört offensichtlich die wissenschaftlich notwendige Reflexionsdistanz.
Wie dem auch sei, es wird die Auswirkung der unbearbeiteten Vergangenheit der Schulgründer durch den Wiederholungszwang auf die folgenden Generationen – die auch in anderen tiefenpsychologischen Schulen deutlich sichtbar ist – klar herausgearbeitet. Schade, dass die ausgezeichnete erste Hälfte des Buches durch die zweite Hälfte für aussenstehende Leser wenig ausbalanciert wirkt. Es ist, als wären es zwei Bücher in einem: eine glänzende Übersicht der psychodynamischen Kräfte in den tiefenpsychologischen Ausbildungsinstitutionen und Gesellschaften, gefolgt von einer Streitschrift mit sensiblen Geschehnissen um lösbare juristische Fragen (Stiftung oder Gesellschaft). Leider fehlen sowohl Namen- wie Sachregister.
André Haynal, Genf
Wolfram Ehlers, Alex Holder: Psychoanalytische Verfahren.
Reihe Basiswissen Psychoanalyse, Band 2.
Klett-Cotta; 2009. 1. Auflage. Gebunden,
352 Seiten, 16 Abb.
Preis Euro 37.95. ISBN 978-3-608-94404-4.
Der zweite Band der Reihe «Basiswissen Psychoanalyse» bietet eine umfassende Übersicht zu den modernen Psychotherapieschulen der Psychoanalyse, mit einem Schwerpunkt auf der angelsächsischen Theoriebildung. Seine Inhalte orientieren sich am Gegenstandskatalog des «Instituts für Medizinische und Pharmakologische Prüfungsfragen» und richten sich demnach wesentlich an Psychotherapeuten medizinischer Provenienz. Die Herausgeber legen indessen ein herkömmliches und anspruchsvolles Lehr- und Lesebuch der Psychoanalyse vor, das sich leider nur beschränkt um didaktische Vermittlung, etwa mit Zusammenfassungen oder Übungsfragen, kümmert.
Auf der Basis der Grundbegriffe der klassischen Psychoanalyse Freuds wird die komplexe Entwicklung der Objektbeziehungstheorie bis hin zur Gegenwart nachgezeichnet. Nach einem Kapitel, das die unterschiedlichen theoretischen Positionen systematisiert, kommen die Verfahren der «tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie» mit ihrem Anspruch auf Verkürzung der Behandlungszeit und Anschlussfähigkeit an die Erfordernisse der heutigen Gesundheitsversorgung zur Darstellung. Den Abschluss bildet ein Kapitel zu Forschung, Evaluation und Qualitätssicherung.
Dieses letzte Kapitel fällt leider etwas enttäuschend aus, da es wenig Bezug hat zur Logik und Realität des heutigen akademischen Betriebs. Im Bemühen, die Eigenständigkeit der Psychoanalyse in Abgrenzung zum positivistischen, an Standardisierungen und experimentellen Versuchsplänen ausgerichteten Mainstream zu profilieren, geht vergessen, wie entscheidend es für die Psychoanalyse ist, den Anschluss an die Forschung zu behalten und den Nachwuchs entsprechend umsichtig einzuweisen. Die «Operationalisierte Psychodynamische Diagnostik OPD» beispielsweise ermöglicht diesen Anschluss – auch im Rahmen der Diagnostik (KK-Anträge!) und eines zeitgemässen Qualitätsmanagements. Eine trotz Kontroversen so gelungene und einflussreiche Initiative wie die OPD ist wie keine andere dazu prädestiniert, der Psychoanalyse aus ihrer noch immer wachsenden Isolation heraus zu helfen. Dass die Autoren gerade dieses Bandes an keiner Stelle Bezug darauf nehmen, erscheint uns als eine verpasste Chance.
Marius Neukom, Zürich
Correction
Rossetti A. Neurologist-in-training.
Swiss Arch Neur Psych 2011;162 (1):35–6
Answer C to MCQ question 5 (Which sentence on posterior reversible encephalopathy syndrome (PRES) is incorrect?) reads “C. ADC MRI shows hyperintense lesions”. This answer is in fact “correct”, although the solution gives this as incorrect. For the answer to be correct, the text of answer C should therefore rightfully be “MRI shows hypointense lesions”.