Gaby Bleichhardt, Florian Weck:
Mit Arbeitsblättern auf CD-ROM.
Springer; 2010. 2. Auflage. XII. Gebunden,
244 Seiten, 18 Abb. Mit CD-ROM.
Preis Fr. 54.–. ISBN 978-3-642-12118-0.
Ängste vor Krankheiten sind weit verbreitet. Sie können, wie die meisten psychologischen Phänomene, entgleisen und unrealistische Formen mit übersteigerten Überzeugungen und kaum korrigierbaren Wahrnehmungen vermeintlicher Krankheitszeichen annehmen. Das Krankheitsbild der Hypochondrie verursacht in diesem Fall erhebliches Leiden, verläuft spontan chronisch und stellt eine echte Herausforderung für Ärzte und Psychotherapeuten dar.
Die Autoren stellen in diesem störungsspezifischen Werk den Patienten mit seinen krankheitsbezogenen Ängsten, seinen Interpretationen und seinem Krankheitsverhalten in den Mittelpunkt. Jenseits von Beziehungsaspekten werden zunächst die Phänomenologie und die Ätiologie der Hypochondrie angegangen. Das Therapiemanual (für Einzel- und Gruppensetting) stellt dann das Kernstück des Buches dar: Psychoedukation, Aufmerksamkeitsumlenkung, Umstrukturierung der Symptombewertung, Abbau von sicherheitssuchendem Verhalten (Körperselbstkontrolle, Rückversicherung durch Ärzte, andere Personen oder Medien) sowie Vermeidungsverhalten werden detailliert vermittelt. Abschliessend werden praktische Vorschläge zum Umgang mit Komplikationen und die empirische Evaluation des Therapiemanuals dargestellt.
Zu den Stärken dieses Werkes, das zu einem guten Teil auch für Somatisierungsstörungen anwendbar erscheint, zählen die abwechslungsreiche, leserfreundliche Darstellung, die Vollständigkeit im Rahmen des gewählten Therapiemodells sowie die Verpflichtung zu einem empirisch-wissenschaftlichen Gedanken. Bestechend ist aber vor allem die Praxisorientierung: Fallbeispiele, kurze Zusammenfassungen sämtlicher wichtigen Abschnitte, reichlich sinnvolle Arbeitsblätter (über beigelegte CD-ROM ausdruckbar) und realistische Dialogbeispiele sowie Formulierungsvorschläge (das Highlight des Buches!) führen den Leser inmitten der Therapierealität.
Dieses Manual kann nebst Psychotherapeuten auch interessierten somatischen Fachärzten empfohlen werden. Insbesondere die Abschnitte zum sicherheitssuchenden Verhalten (Arztbesuche und Forderung nach Zusatzabklärungen u.a.) zeigen einen praktikablen Weg zur Anpassung einer Arzt-Patient-Beziehung auf, die gegenüber dem klassischen Vorgehen der Ausschlussdiagnostik mit konsekutiver Beruhigung des Patienten refraktär geworden ist.
Giovanni Carraro, Zürich