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Swiss Archives of Neurology, Psychiatry and Psychotherapy is published by MDPI from Volume 176 Issue 1 (2026). Previous articles were published by another publisher in Open Access under a CC-BY (or CC-BY-NC-ND) licence, and they are hosted by MDPI on mdpi.com as a courtesy and upon agreement with EMH Editores Medicorum Helveticorum.
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Obituary

In memoriam Professor Klaus Ernst

Swiss Arch. Neurol. Psychiatry Psychother. 2011, 162(1), 42; https://doi.org/10.4414/sanp.2011.02231
Published: 1 January 2011
Prof. Dr. med. Klaus Ernst (1924–2010) ist vielen als Arzt, Hochschullehrer und Autor bekannt. Als Psychiatrieprofessor und Klinikdirektor hat er eine ganze Generation von Zürcher Psychiatern mitgeprägt. Ohne sein persönliches Geschick und ohne sein sprachliches Talent wäre ihm diese Breitenwirkung wohl versagt geblieben. Dabei war seine Sprachkunst weniger durch mitreissende Rhetorik als durch begriffliche Klarheit und literarischen Reichtum charakterisiert. In seinen Lehrveranstaltungen und seinem Schrifttum führte er Kranke nicht als pathologische Fälle vor, sondern beschrieb sie als Personen mit einer je spezifischen Leidensform und Geschichte.
Klaus Ernst ist am 3. November 2010 kurz nach Eintritt in ein Pflegeheim gestorben, nachdem seine letzten Lebensjahre durch eine dementielle Entwicklung beeinträchtigt waren. In dieser Zeit wurde er in seinem grossen Familienkreis, nicht zuletzt von seiner Frau Susi, so behandelt, wie er stets selbst andere Menschen behandelt hatte, nämlich mit Achtung und Anteilnahme. Ich wüsste kein besseres Wort, um die Lebenshaltung von Klaus Ernst auf den Punkt zu bringen, als Respekt und Loyalität – auch und gerade psychisch Schwerkranken gegenüber. So sehe ich ihn beispielsweise noch heute vor mir, wie er im alten Wachsaal des «Burghölzli» einem manisch erregten Patienten ruhig zuhört und seine respektvolle Haltung auch dann nicht verliert, als er körperlich bedrängt wird.
Klaus Ernst hatte nach dem frühen Tod seiner Schwester im jungen Erwachsenenalter die Behandlung psychischer Not zu seiner beruflichen Aufgabe erwählt. Er hatte dafür musische Interessen zurückgestellt, das zunächst begonnene Biologiestudium ausgesetzt und schliesslich Medizin studiert. Schon mit 35 Jahren wurde er Chefarzt der Psychiatrischen Klinik Hohenegg, war später zwischen 1968 und 1970 Ärztlicher Direktor der Klinik Neurheinau, bevor er 1970 zum Ärztlichen Direktor der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich und zum Ordinarius für Psychiatrie gewählt wurde. Bis zu seinem Rücktritt 1989 hat er stetig in oft kleinen, aber wichtigen Schritten diese Klinik reformiert, so etwa durch den Aufbau patientenfreundlicher Stationen, durch die Ausweitung der Besuchszeiten und Ausgangsregelungen und durch die Eröffnung spezialisierter Dienste. Das meiste hat er im Stillen geleistet. Wenn es aber um Fragen der Menschenwürde ging, konnte der sonst so zurückhaltende und um Harmonie bemühte Professor auch öffentlich kämpfen. So hat er sich – teilweise unterstützt von seiner vor Jahren verstorbenen früheren Frau Cécile – z.B. in der NZZ wiederholt gegen die Überbelegung des Burghölzli gewehrt, sich für die Abschaffung der Wachsäle eingesetzt und gegen die Ideologisierung des Suizids angeschrieben. Auch stand er in der Antipsychiatriezeit für biologische Forschungs- und Behandlungsmethoden ein. Kennzeichnend für seine Lebenshaltung ist auch, dass er nach seiner Emeritierung und nach der deutschen Wende im neuen Bundesland Sachsen in einer stark vernachlässigten psychiatrischen Klinik als unbezahlter Assistenzarzt und Berater wirkte.
Klaus Ernst hat sich in der nationalen und internationalen Psychiatrie hauptsächlich als selbstkritischer Reformer einen Namen gemacht. Sein Standardwerk «Praktische Klinikpsychiatrie» hat zu grösserem Verständnis psychiatrischer Fragestellungen und zu institutionellen Verbesserungen beigetragen. In der Forschung ist er u.a. mit seinen Beiträgen zum Verlauf der Neurosen hervorgetreten. Er wird vor allem in Erinnerung bleiben als ein Vertreter der Schweizer Psychiatrie, der Loyalität und Wahrhaftigkeit ebenso ernst nahm wie Empirie und Wahrheit.

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MDPI and ACS Style

Hell, D. In memoriam Professor Klaus Ernst. Swiss Arch. Neurol. Psychiatry Psychother. 2011, 162, 42. https://doi.org/10.4414/sanp.2011.02231

AMA Style

Hell D. In memoriam Professor Klaus Ernst. Swiss Archives of Neurology, Psychiatry and Psychotherapy. 2011; 162(1):42. https://doi.org/10.4414/sanp.2011.02231

Chicago/Turabian Style

Hell, Daniel. 2011. "In memoriam Professor Klaus Ernst" Swiss Archives of Neurology, Psychiatry and Psychotherapy 162, no. 1: 42. https://doi.org/10.4414/sanp.2011.02231

APA Style

Hell, D. (2011). In memoriam Professor Klaus Ernst. Swiss Archives of Neurology, Psychiatry and Psychotherapy, 162(1), 42. https://doi.org/10.4414/sanp.2011.02231

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