Die Bürde (le fardeau) der Pflegenden bei Demenzkranken ist eine beeindruckende Gemeinschaftsarbeit von sechs welschen Kollegen und Kolleginnen vorwiegend aus der Gerontopsychiatrie der Genfer Universitätskliniken. Die Bedeutung der Problematik wird offensichtlich, wenn wir lesen:
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2⁄3 der Behandlungskosten von Demenzkranken entstehen durch deren Hospitalisierung, und zu diesen kommt es meistens infolge Überlastung der pflegenden Angehörigen, von denen über 70% an Depressionen leiden.
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Die Erschöpfung der Pflegenden kann einen ungünstigen Einfluss auf die Patienten haben, indem Verhaltensstörungen zunehmen, was sich im Sinne eines Circulus vitiosus verstärkt und oft unerträglich wird, wenn es sich um Aggressionen handelt.
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Stark leiden die pflegenden Angehörigen aber auch unter dem Schwinden der Kommunikationsmöglichkeiten mit der Partnerin, dem Partner, dem zunehmenden Beziehungsverlust.
Es ist erfreulich, dass immer wieder Gruppen junger Kolleginnen und Kollegen neue Wege suchen, um sowohl für die Alterskranken wie auch für ihre Angehörigen die Bürde zu erleichtern, wie hier mit dem ausführlich beschriebenen psychodynamischen Ansatz in der Krisenintervention und in der Langzeit-Behandlung.
Annabel McQuillan, Genf, entwickelt in ihrer Arbeit über die absichtlichen Selbstverletzungen bei Borderline-Persönlichkeitsstörungen neurobiologische Hypothesen, welche die Zusammenhänge dieser oft schwer verständlichen Handlungsweise erhellen und erklären können. Anschaulich wird beschrieben, wie bei Verlassenheitsängsten, erst recht nach Verlusterlebnissen, die quälenden Gefühle sich zur unerträglichen Pein steigern können, was durch periphere Gewebsverletzungen schlagartig reduziert werden kann. Da wegen einer gleichzeitig bestehenden Analgesie akut keine körperlichen Schmerzen verspürt werden, fühlen sich die Patienten deutlich besser. So können diese absichtlichen Selbstverletzungen bei Borderline-Persönlichkeiten als Kompensationsmechanismen verstanden werden, um innere Spannungen zu lösen. Mit dieser Betrachtungsweise erhofft sich die Autorin mehr Empathie und Verständnis für diese Patienten und konkrete Hilfe durch ein Behandlungskonzept, an welchem sie arbeitet.
Als Resultat kreativer und guter Zusammenarbeit bildet der Artikel von vier Kollegen aus der Psychiatrischen Klinik der Ludwig-MaximiliansUniversität München zur nosologischen Stellung der schizoaffektiven Störungen den Übergang zwischen Forschung und Praxis. Sorgfältig wird herausgearbeitet, weswegen «die schizoaffektiven Störungen gemäss ICD-10 als Subtyp der affektiven Störungen klassifiziert und nicht wie bisher unter dem Abschnitt Schizophrenie F2 eingeordnet werden» sollen.
Unsere Redaktion hatte sich vor einiger Zeit bereit erklärt, bei den Arbeiten, die neuerdings an der FMH-Prüfung vorgelegt werden müssen, die Publikationsmöglichkeit abzuklären. Kollege Daniel Strassberg, Zürich, hat Scham als Problem der psychoanalytischen Theorie und Praxis gewählt und dazu als lic. phil. I auch eine «Philosophie der Scham» entwickelt. Diese Überlegungen können mithelfen, die Probleme besser zu verstehen, wenn die Scham in der Psychotherapie zum Thema wird.
Hoffentlich ermuntert diese Publikation auch weitere Kolleginnen und Kollegen, uns ihre FMH-Prüfungsarbeiten einzusenden, wir würden uns freuen.
Albert Erlanger