Unter Mitarbeit von Gregor Antoniadis
Berlin: Springer; 2003.
Gebunden, 152 Seiten, 115 Abb.
Fr. 189.–, ISBN 3-540-44153-0
«Wenn Diagnostik und Indikationsstellung falsch waren, kann auch die beste operative Technik nicht erfolgreich sein» – mit diesem (auch) für die erfolgreiche Behandlung von Nervenkompressionssyndromen bedeutenden Satz schliesst dieses, notabene von einem (Neuro)Chirurgen verfasste, sehr instruktive, exzellent illustrierte und didaktisch hervorragend gegliederte und geschriebene Buch.
Kapitel 2 gibt einen kurzen und sehr präzisen Überblick über allgemeine diagnostische Grundlagen. Einzig die ersten pathophysiologischen Kapitel sind etwas verwirrend und nicht immer in logischer Abfolge verfasst. Die Wallersche Degeneration (Kapitel 2.1.1) ist schlicht falsch beschrieben und der Begriff des Pseudoneuroms kaum verständlich dargestellt. Das Kapitel 2.1.2 ist wahrscheinlich der Kürze zuliebe so vereinfacht, dass es kaum mehr lesbar ist und somit besser weggelassen würde. Der Stellenwert der Elektrophysiologie im Kapitel 2.2.2 ist prägnant und sehr gut dargestellt.
Auch für den Nicht-Chirurgen gibt Kapitel 3 einen ausgezeichneten Überblick über präoperative Massnahmen wie z.B. die Patientenaufklärung und geht auf wichtige Alltagsprobleme wie z.B. die Frage des Einsatzes von Antithrombotika oder Antibiotika ein. Gewisse Abkürzungen sind allerdings sicher nicht allen Lesern und Leserinnen geläufig und werden nicht erklärt (AWMF, MAL usw.); hier wäre ein für das ganze Buch gültiges Glossar mit zusammenfassender Erklärung der Abkürzungen sicher sehr hilfreich.
Kapitel 4 gibt einen kurzen, aber sehr präzisen Abriss über allgemeine Aspekte der Nervendekompressionschirurgie.
Kapitel 5 und 6 gehen auf die postoperative Behandlung und mögliche postoperative Komplikationen ein, erneut prägnant, kurz, mit allen wesentlichen Angaben für den praktischen Alltag.
Kapitel 7 bis 14 widmen sich den einzelnen Kompressionssyndromen mit umfangmässigem Schwergewicht auf den beiden häufigsten: dem Karpaltunnelsyndrom und dem Sulcus-ulnarisbzw. Kubitaltunnelsyndrom.
Die einzelnen Kapitel sind übersichtlich und straff gegliedert nach Pathogenese, Symptomatik, Diagnostik und Differentialdiagnose sowie konservativen und operativen Therapiemöglichkeiten. Das Hauptkapitel 7, dem Karpaltunnelsyndrom gewidmet, ist dabei (wie auch die übrigen Kapitel) ein Lehrstück pragmatisch didaktischer und doch umfassender Abhandlung mit allen praktisch wichtigen Aspekten und doch vielen Detailinformationen.
Immer wird eindrücklich versucht, den einfachsten, kürzesten, für Arzt und Patient erfolgreichsten und für die Krankenkasse kostengünstigsten Weg aufzuzeigen, weitgehend basierend auf der grossen Erfahrung des Chirurgen.
Dieser Weg ist keineswegs immer der technisch und apparativ aufwendigste!
Generell finden sich erfreulich klare Stellungnahmen zu Detailproblemen wie z.B. postoperativer Ruhigstellung, Ursachen des postoperativen Sudeck-Syndroms, die im praktischen Alltag sehr hilfreich sind und durch die enorm grosse persönliche Erfahrung des Autors spürbar gut fundiert sind.
Den im Vorwort erhobenen Anspruch –«ein Buch aus der Praxis für die Praxis zu schreiben» – vermag das vorliegende Werk voll und ganz zu erfüllen. Es kann den diesbezüglich interessierten Neurologen, Rheumatologen, (Neuro)Chirurgen, Orthopäden, Handchirurgen, aber durchaus auch Allgemeinmedizinern ohne Einschränkungen zur Lektüre empfohlen werden.
M. Sturzenegger, Bern