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Soziale Faktoren und Krankheitsverläufe Psychotherapie- und Demenzforschung
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Betrifft: Willi J. Schweizer Psychiatrie: woher – wohin?
 
 
Swiss Archives of Neurology, Psychiatry and Psychotherapy is published by MDPI from Volume 176 Issue 1 (2026). Previous articles were published by another publisher in Open Access under a CC-BY (or CC-BY-NC-ND) licence, and they are hosted by MDPI on mdpi.com as a courtesy and upon agreement with the previous journal publisher.
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Meine Psychotherapie der Psychosen in der Psychotherapie der Gegenwart 1

by
B. Hofacker
and
Gerhard Ebner
*
Kantonale Psychiatrische Klinik Breitenau, Breitenaustrasse 124, CH-8200 Schaffhausen, Switzerland
*
Author to whom correspondence should be addressed.
1
Zusammenfassung des Vortrags von Prof.Dr. med. Gaetano Benedetti am 16. Januar 1999 im Psychiatriezentrum Schaffhausen
Swiss Arch. Neurol. Psychiatry Psychother. 2000, 151(3), 128-129; https://doi.org/10.4414/sanp.2000.01158
Published: 1 January 2000

Einleitung

Die Psychotherapie von schizophrenen Menschen hatte in den 50er und zu Beginn der 60er Jahre einen Höhepunkt erreicht, und die Pioniere dieser Therapieform haben uns gelehrt, wie auch mit schwer psychisch Kranken eine gute Vertrauensbeziehung aufgebaut werden kann, um anstehende Probleme besprechen und eine Psychotherapie durchführen zu können. In den 60er Jahren gerieten diese Therapieformen zunehmend in Vergessenheit, da man sich von den neu aufkommenden Psychopharmaka versprach, die Kranken – auch ohne aufwendige psychotherapeutische Gespräche – behandeln und heilen zu können.
Sicherlich hat die Psychiatrie durch diese Medikamente grosse Fortschritte gemacht, doch 30 Jahre später sehen wir auch neue Probleme auf unsere Kranken zukommen: Etwa ein Drittel der Patienten spricht auf die Medikamente ungenügend oder gar nicht an, viele klagen über Nebenwirkungen, und die Schar derer, die diese Medikamente regelmässig einnehmen, um Rückfälle zuverlässig verhindern zu können, liegt bei höchstens 50%. Ein grosser Teil derjenigen, denen man eine regelmässige Einnahme empfiehlt, lehnt sich früher oder später dagegen auf. Die Entwicklung neuer Medikamente mit weniger Nebenwirkungen haben diese Schwierigkeiten zwar entschärft, sie bestehen aber immer noch fort. Hinzu kommt, dass auch die medikamentös behandelten Kranken dringend der psychotherapeutischen Hilfe bedürfen, da sie mit einer Vielzahl von persönlichen und sozialen Problemen, Konflikten und Einschränkungen konfrontiert sind.
Leider hat sich die Forschung in der Psychiatrie mehr und mehr auf deren biologische Aspekte beschränkt, und das Wissen der Pioniere in der Psychosentherapie droht verlorenzugehen. Es hält sich die hartnäckige Überzeugung, dass Schizophrenie ausschliesslich eine biologische Erkrankung sei, die mit biologischen Mitteln – sprich Medikamenten – zu behandeln ist.
Herr Professor Gaetano Benedetti und andere Pioniere der Psychosentherapie, die wir regelmässig zu uns in die Klinik einladen, zeigen aber aufgrund ihrer Erfahrungen, dass gerade auch die Psychotherapie eine wichtige Behandlungsmethode bei Schizophrenien darstellt. Sicherlich ersetzt die Psychotherapie nicht einfach die Medikamente, häufig führt erst eine Kombination von beiden zum Erfolg. Ganz bestimmt können wir aber sagen, dass eine Therapie der Schizophrenie ohne Psychotherapie, nur mit Medikamenten, nicht nur eine Therapie ohne Herz darstellt, sondern dass die Prognose dieser Erkrankung auch deutlich schlechter wird.[1] Leider ist heute aber ein anderer Trend absehbar. Interessant ist hierbei, dass bei Umfragen in der Bevölkerung immer wieder zu erfahren ist, dass diese die Psychotherapie als eine der wichtigsten Behandlungsmethoden von psychischen Krankheiten ansieht und fordert, was in wissenschaftlichen Kreisen zu Verwirrung und Unverständnis führt. Vielleicht hat aber das Volk doch nicht ganz so unrecht, wie es den Wissenschaftlern erscheinen mag.
Diese Therapien können aber nicht alle leisten, sie verlangen vom Therapeuten eine grosse Menge an Geduld, eine standhafte Persönlichkeit, eine gute Ausbildung und viel Erfahrung. Selbst dann ist eine Heilung nicht garantiert, Rückschläge gehören – wie auch in anderen Disziplinen in der Medizin – auch hier zur Arbeit mit dazu.

Zur Person Benedettis

In Italien geboren und aufgewachsen, kam Benedetti 1947 in die Schweiz, machte hier seine psychoanalytische Ausbildung, habilitierte 1953 und war bis 1956 in der Psychiatrischen Universitätsklinik «Burghölzli» in Zürich Oberarzt bei Manfred Bleuler. In dieser Zeit engagierten sich insbesondere im «Burghölzli» einige Therapeuten in der Weiterentwicklung der Psychotherapie der Psychosen. Von 1956 bis 1985 arbeitete Professor Benedetti in Basel, zunächst in der Psychiatrischen Universitätsklinik Friedmatt, dann in der Psychiatrischen Universitätspoliklinik, wo er den Lehrstuhl für Psychotherapie und Psychohygiene innehatte. Neben seiner Tätigkeit in Basel baute er in Mailand mit Mitarbeitern ein psychoanalytisches Institut auf, an dem er nach wie vor regelmässig unterrichtet. Aus seinem jahrzehntelangen Wirken entstanden eine Vielzahl von Publikationen und Büchern, die in mehrere Sprachen übersetzt wurden und zu den Grundlagenwerken zum Thema «Psychotherapie der Psychosen» zählen.

Symbiose und Autismus

Für Benedetti ist bei den an chronischer Schizophrenie erkrankten Patienten die Spaltung zwischen Symbiose und Autismus ein besonderes Merkmal. Die Symbiose sei das primäre Symptom der Krankheit. Der Kranke fühle sich mit vermeintlichen Intentionen und Absichten seiner Mitwelt verwickelt und verstrickt. Damit verbunden sei ein Verlust der Symbolfähigkeit, beispielsweise die Verwechslung der Namen der Dinge mit den Dingen selbst. Benedetti illustrierte dies mit einem zitierten Beispiel von Sigmund Freud. Eine schizophrene Patientin, zu der gesagt worden war, dass ihr der untreue Bräutigam die Augen verdreht habe, bekam verdrehte Augen. Für sie war dies keine Metapher. Ferner würden schizophrene Patienten ihre Gedanken auf andere.

Literaturübersicht

  1. Ebner, G. Der psychotherapeutische Zugang zum schizophrenen Menschen. Ars Medici 1997, 19, 1165–72. [Google Scholar]

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MDPI and ACS Style

Hofacker, B.; Ebner, G. Meine Psychotherapie der Psychosen in der Psychotherapie der Gegenwart. Swiss Arch. Neurol. Psychiatry Psychother. 2000, 151, 128-129. https://doi.org/10.4414/sanp.2000.01158

AMA Style

Hofacker B, Ebner G. Meine Psychotherapie der Psychosen in der Psychotherapie der Gegenwart. Swiss Archives of Neurology, Psychiatry and Psychotherapy. 2000; 151(3):128-129. https://doi.org/10.4414/sanp.2000.01158

Chicago/Turabian Style

Hofacker, B., and Gerhard Ebner. 2000. "Meine Psychotherapie der Psychosen in der Psychotherapie der Gegenwart" Swiss Archives of Neurology, Psychiatry and Psychotherapy 151, no. 3: 128-129. https://doi.org/10.4414/sanp.2000.01158

APA Style

Hofacker, B., & Ebner, G. (2000). Meine Psychotherapie der Psychosen in der Psychotherapie der Gegenwart. Swiss Archives of Neurology, Psychiatry and Psychotherapy, 151(3), 128-129. https://doi.org/10.4414/sanp.2000.01158

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