Seit über acht Jahren arbeitet der Vorstand der SGK auf das Ziel hin, einen Facharzttitel «Kardiologie FMH» unabhängig von der Mutter-Disziplin Innere Medizin zu erreichen. Nachdem die FMH vor zwei Jahren mit einer neuen Titelordnung die formelle Voraus- setzung dafür geschaffen hat, hat die SGK als erste Gesellschaft ihren Antrag zur Schaffung eines Facharzttitels «Kardiologie FMH>> zusammen mit einem entsprechend abgeänderten Weiterbildungs-programm der FMH eingereicht. Die Plenarversammlung der Kom-mission für Weiter- und Fortbildung (KWFB) der FMH hat am 26. April 1998 diesem Antrag ohne Gegenstimme zugestimmt, hat allerdings mehrheitlich gewünscht, die Weiterbildungszeit entsprechend dem Vorschlag zum neuen Medizinalberufe-Gesetz auf 6 Jahre zu beschränken.
Im folgenden werden die Argumente aus Sicht der SGK dargelegt welche für die Schaffung eines Facharzttitels «Kardiologie FMH» ub und die 7jährige Weiterbildungszeit sprechen.
Kommentar zum Antrag der Schweizerischen Gesellschaft für Kardiologie zur Bildung eines Facharzttitels Kardiologie / neues Weiterbildungsprogramm
Warum ein eigener Facharzttitel Kardiologie?
Die Kardiologie hat sich als grösstes Teilgebiet der Inneren Medizin international und in der Schweiz zu einer eigenen Fachdisziplin entwickelt. So betrafen in einer kürzlichen Erhebung in Basel über ein Drittel aller Erstdiagnosen im Bereiche Innere Medizin das Fach Kardiologie.
Dabei hat die Kardiologie auch eine rasante technische Entwicklung durchgemacht mit wichtigen Durchbrüchen in der interventionellen Kardiologie, der Elektrophysiologie und der technisch weit entwickelten Echokardiographie. Die Schweizerische Gesellschaft für Kardiologie mit über 400 Mitgliedern und neun speziellen Arbeitsgruppen feiert 1998 bereits ihr 50jähriges Jubiläum, führt jährlich Jahreskongresse mit 500-600 Teilnehmern und mehr durch sowie eine Vielzahl eigener Fachfortbildungsveranstaltungen, und redigiert seit neuestem eine eigene Schweizer Zeitschrift «Kardiovaskuläre Medizin». Zur Gewährleistung und Sicherung einer genügenden Qualität der Betreuung von herzkranken Patienten und einer qualitativ hochstehenden und kostengerechten Indikationsstellung und Durchführung der entsprechenden technischen Leistungen ist unseres Erachtens in der Schweiz ebenso wie in den meisten westlichen Ländern eine eigenständige Fachdisziplin «Kardiologie» gerechtfertigt. Dies ist von der früheren «Mutter-Disziplin» Innere Medizin ebenso wie vom Plenum der KWFB bestätigt worden.
Wie solldasneue Weiterbildungsprogrammaussehen?
Zur qualitativ hochstehenden Weiterbildung in Kardiologie inklusive Erlernung der klinischen, nicht-invasiven und wichtigsten invasiven Abklärungen und Behandlungen, welche im Weiterbildungsprogramm im Detail aufgeführt sind, sind 4 Jahre Spezialausbildung in Kardiologie notwendig. Dies entspricht den Anforderungen in den umliegenden europäischen Ländern, denjenigen der UEMS und wurde so auch von der Expertengruppe und vom Plenum der KWFB akzeptiert.
Diese Weiterbildung in Kardiologie muss aber auf einer Grundausbildung in Innerer Medizin, dem «tronc commun», basieren. In einer gemeinsamen Absprache mit dem Vorstand der Schweizerischen Gesellschaft für Innere Medizin wurde entsprechend eine 3jährige Grundausbildung in Innerer Medizin vereinbart. Trotz der Tatsache, dass in der Zwischenzeit der «tronc commun» in Anlehnung an die UEMS auch in der Schweiz auf 2 Jahre reduziert worden ist, scheint uns eine 3jährige Grundausbildung in Innerer Medizin bzw. 2 Jahre Innere Medizin und 1 Jahr in einem kardiovaskulären Grenzgebiet sinnvoll und notwendig. Dies erlaubt angehenden Kardiologen, je nach ihrer zukünftigen Berufsrichtung, 1 Jahr in Forschung, Kinderkardiologie, Herzchirurgie, Intensivmedizin, Angiologie usw. oder eben ein drittes Jahr in Innerer Medizin zu absolvieren.
Warum nichtnur 6 Jahre, wie von einigen KWFB-Mitgliedern gefordert?
Die Forderung, die Weiterbildung zum Kardiologen FMH auf 6 Jahre zu beschränken, beruht auf dem Vorentwurf zum neuen Medizinalberufe-Gesetz, das zurzeit in Vernehmlassung ist. Nach diesem Gesetzesentwurf sollte die Weiterbildung «in der Regel höchstens 6 Jahre dauern», wobei der Bundesrat die Weiterbildungsdauer der einzelnen Facharzttitel festlegt.
Das Gesetz ist aber weder in Kraft, noch ist der definitive Inhalt bekannt, d.h. das neue Weiterbildungsprogramm muss nach bisherigem Recht und Gepflogenheiten verfasst werden... Es ist nicht einzusehen, weshalb die Ausbildung zum Kardiologen FMH auf 6 Jahre beschränkt werden soll, während die 7jährige Ausbildung zum Gastroenterologen oder Pneumologen, sicher begründet, akzeptiert bleibt. Auch kann es kaum im Sinne einer allgemeinen Politik der FMH liegen, die Attraktivität der Weiterbildung zum Spezialisten zu steigern, was nur auf Kosten jener zum weniger spezialisierten Grundversorger gehen könnte. Andererseits ist eine solide Grundausbildung in Innerer Medizin für einen Kardiologen eine wichtige Voraussetzung für eine qualitativ hochstehende klinische Tätigkeit. Der Ersatz des dritten Jahres Innere Medizin durch 1 Jahr << kardiovaskuläre Grenzgebiete» erlaubt jedoch eine gewisse Flexibilität in der Weiterbildung im Hinblick auf die spätere Tätigkeit. In diesem dritten Jahr kann der Kandidat den ursprünglichen 3jährigen «tronc commun» in Innerer Medizin vervollständigen. Mit diesem Jahr wird der Kandidat aber noch nicht den Titel Innere Medizin erreichen; dazu wird mindestens ein weiteres Jahr not- wendig sein. Der Kandidat kann aber auch seine Kenntnisse in einem kardiovaskulären Grenzgebiet, wie z.B. der pädiatrischen Kardiologie, der kardio-vaskulären Rehabilitation oder der Intensivmedizin, vertiefen. Schliesslich kann der wissenschaftlich interessierte Kandidat eine Forschungstätigkeit ohne kritische Beeinträchtigung der klinischen Weiterbildung ausüben. Die Befürchtungen, dass mit der Beibehaltung der 7jährigen Weiterbildung die Ausbildungs- kapazität beschränkt wird, sind unbegründet; im Gegenteil, diese wird durch das Jahr «kardiovaskuläre Grenzgebiete» eher ausgedehnt, bzw. der Realität angepasst, da Stellen - auch heutige Drittmittelstellen in der Forschung - als Weiterbildungsstellen erhalten bleiben. Schliesslich basieren alle im Vergleich zu anderen Fachdisziplinen erarbeiteten Tarifentwürfe in Zusammenhang mit GRAT auf einer Weiterbildung für den Kardiologen von 7 Jahren. Der Vorstand der SGK ist bereit, die Weiterbildungszeit auf 6 Jahre zu beschränken, sobald das neue Medizinalberufe-Gesetz dies verlangt und dies entsprechend auch für die anderen Facharzttitel gültig wird. Die Verantwortung für die Einbusse an Qualität, welche mit dieser Verkürzung verbunden sein könnte, liegt dann aber nicht bei der SGK, sondern beim Gesetzgeber.
Aufgrund dieser Überlegungen ersuchen wir die FMH und die Ärztekammer, den vorliegenden Antrag der SGK auf Bildung eines Facharzttitels Kardiologie aufgrund des vorliegenden Weiterbildungsprogramms mit 7jähriger Weiterbildungszeit zuzustimmen.
Für die Schweizerische Gesellschaft für Kardiologie
Prof. M. Pfisterer, Präsident
Commentaire concernant la demande de la Société Suisse de Cardiologie pour la création du titre de spécialiste en «Cardiologie» et le nouveau programme de formation postgraduée
Pourquoiuntitrespécifiquedespécialiste en «<Cardiologie»>?
La cardiologie, domaine le plus important de la médecine interne, s'est orientée ces dernières décennies vers une discipline médicale autonome aussi bien sur le plan international qu'en Suisse. Selon une enquête effectuée récemment à Bâle, plus d'un tiers des diagnostics principaux en médecine interne étaient du domaine de la cardiologie. Le développement de la cardiologie est associé à un progrès technique extrêmement rapide avec une évolution importante, notamment dans le domaine de la cardiologie interventionnelle, de l'électrophysiologie et de méthodes noninvasives très performantes comme l'échocardiographie. La Société Suisse de Cardiologie (SSC), qui célèbre en 1998 son 50 anniversaire, compte 400 membres et neuf groupes de travail dans des domaines particuliers de la cardiologie. Elle organise chaque année un congrès réunissant 500 à 600 participants, et de nombreuses manifestations de formation continue. Elle publie depuis peu son propre journal suisse intitulé «Médecine Cardiovasculaire». La création d'un titre de spécialiste en «Cardiologie» a pour but, comme c'est d'ailleurs déjà le cas dans la plupart des pays occidentaux, d'assurer une bonne qualité dans la prise en charge des patients cardiaques, une qualité appropriée des indications pour les prestations techniques et leur réalisation, aussi bien sur le plan médical que sur le plan coût-bénéfice. Ces dispositions ont été entérinées aussi bien par l'ancienne «discipline-mère», la Médecine interne, que par la CFPC de la FMH.
Quellestructure etquel contenudanslenouveau programme deformationpostgraduée?
Une période de quatre ans est nécessaire pour assurer une formation postgraduée de qualité en cardiologie. Elle comprend l'apprentissage des méthodes diagnostiques noninvasives et des méthodes invasives les plus courantes, énumérés dans le programme de formation postgraduée. Ces exigences sont équivalentes à celles des pays européens voisins et à celles de l'UEMS. Elles ont également été acceptées par le groupe d'experts et le plénum de la CFPC.
La formation postgraduée en cardiologie doit s'appuyer sur une formation de base en médecine interne, qui constitue le «tronc commun». En accord avec la Société Suisse de Médecine Interne, un tronc commun de médecine interne de trois ans a initialement été prévu. Bien que ce tronc commun ait entre-temps été réduit à deux ans, conformément aux recommandations de l'UEMS, il nous semble souhaitable, voire nécessaire, de maintenir une formation de base en médecine interne de trois ans, respectivement de deux ans de médecine interne plus un an dans un autre domaine cardiovasculaire. Cette structure permet au futur cardiologue, selon son activité professionnelle ultérieure, de consacrer un an à la recherche, à la cardiologie pédiatrique, à la chirurgie cardiaque, à la médecine intensive, à l'angiologie etc., ou d'effectuer une troisième année en médecine interne.
Pourquoiplusde sixans, contrairementà ce quesouhaitaient certains membresde laCFPC?
La demande de limiter la formation postgraduée pour le titre FMH en «Cardiologie» à six ans se base sur l'avant-projet de la nouvelle loi sur les professions médicales, qui est actuellement soumis à lecture. Selon cet avant-projet, la formation postgraduée devrait être «en règle générale de six ans au plus». C'est le Conseil fédéral qui fixe la durée de la formation postgraduée pour chaque titre de spécialiste.
Cependant, cette loi n'est pas en vigueur et sa teneur définitive n'est pas connue. Par conséquent le nouveau programme de formation continu doit être rédigé selon le droit et les usages en vigueur. Il n'existe actuellement aucune raison évidente d'imposer une limitation à six ans pour la formation du Cardiologue FMH, alors que l'on accepte une formation de sept ans, sans doute pour de bonnes raisons, pour les spécialistes en gastro-entérologie ou en pneumologie. Ceci n'est pas dans les objectifs de la politique professionnelle de la FMH de faciliter la formation dans des domaines très spécialisés; de telles dispositions pourraient se faire au détriment de la formation des médecins de premier recours moins spécialisés. Une formation solide en médecine interne est une condition préalable importante pour une activité clinique de haute qualité. La possibilité de faire la troisième année de médecine interne dans d'autres domaines voisins de la cardiologie permet une certaine flexibilité dans la formation postgraduée du candidat. Elle lui permet d'orienter son activité professionnelle ultérieure. Au cours de cette troisième année, le candidat peut ainsi compléter le «tronc commun» en médecine interne. A signaler que cette année ne suffit pas pour l'obtention du titre de spécialiste en Médecine interne. Ce dernier nécessitera au moins une année de plus. Le candidat peut également approfondir ses connaissances dans un autre domaine cardiovasculaire tel que la cardiologie pédiatrique, la réadaptation cardiovasculaire ou la médecine intensive. Finalement, cette année permet au candidat ayant des intérêts scientifiques d'exercer une activité de recherche sans compromettre sensiblement sa formation clinique. La crainte que le maintien des sept ans de formation postgraduée diminue la disponibilité des places de formation n'est pas fondée; au contraire, l'exigence d'une année dans une discipline cardiovasculaire voisine augmente plutôt l'offre et répond aux besoins réels, en maintenant des postes destinés à la formation postgraduée, y compris des postes de recherche rémunérés par des fonds de recherche. Enfin, toutes les positions tarifaires élaborées en analogie avec les autres disciplines de spécialité dans le cadre du GRAT sont basées sur une formation en cardiologie de sept ans.
Le comité de la SSC est disposé à limiter la durée de la formation continue à six ans, dès que la loi sur les professions médicales l'exigera et que la restriction s'appliquera également aux autres titres de spécialité. Dans ce cas, la responsabilité pour la diminution de la qualité qui pourra résulter du raccourcissement de la formation postgraduée incombera au législateur et non à la SSC.
En conséquence de ce qui précède, nous demandons à la FMH et à la chambre médicale d'accepter la requête de la SSC de créer le titre de spécialiste en Cardiologie sur la base du programme de formation continue proposé, en maintenant la durée de la formation post- graduée à sept ans.
Pour la Société Suisse de Cardiologie
Pr M. Pfisterer, Président