New York, Adorably, Dordrecht, London: Humana Press, Springer Images; 2013. Current Clinical Neurology. Series Editor: Daniel Tarsy. 2. korrigierter Druck. Gebunden, 249 Seiten. Preis € 77,36. ISBN-13: 978-1603274258.
Dieser Video-Atlas − eine Video-DVD begleitet das Buch − bietet eine gute Einführung in die klinische Phänomenologie von Bewegungsstörungen und kann auch als Nachschlagewerk dienen. Die Autoren Roongroj Bhidayasiri und Daniel Tarsy und ihre Kollegen an der Beth Israel Deaconess Medical Center (Harvard Medical School), Chulalongkorn University (Bangkok) und der University of California Los Angeles (UCLA) stellen Patienten aus ihrer Klinik vor, die in 111 Kapiteln das gesamte Spektrum von Bewegungsstörungen repräsentieren. Die Fallbeispiele werden kurz mit relevanten Befunden von Zusatzuntersuchungen beschrieben und im Kontext der medizinischen Literatur diskutiert. Videoaufnahmen illustrieren die Fallbeschreibungen.
Die audiovisuelle Präsentation ist in der Charakterisierung von Bewegungsstörungen aussagekräftiger als eine Beschreibung durch Worte alleine. Daher eignen sich Film- und heutzutage vorwiegend Videoaufnahmen ideal zur Wissensvermittlung und haben sich in der Weiter- und Fortbildung fest etabliert. Historisch gesehen haben bereits früh Filmaufnahmen das Wissen um Bewegungsstörungen breiteren Kreisen zugänglich gemacht und die Forschung gefördert. In der klinischen Praxis ermöglichen heutige Kameras das unkomplizierte Filmen am Krankenbett und die Wiedergabe vor Kollegen zum Meinungsaustausch. Die audiovisuelle Dokumentation ist daher auf dem Gebiet der Bewegungsstörungen nicht mehr wegzudenken.
Dieser Video-Atlas richtet sich an Einsteiger mit Anleitung zur Untersuchung von häufigen Bewegungsstörungen wie Morbus Parkinson, essentiellem Tremor und Dystonie. Die Fallbeispiele umfassen die gängigen Krankheitsbilder aus dem gesamten Spektrum der Bewegungsstörungen und auch seltenere Pathologien, die nicht primär in einer Bewegungsstörungs-Klinik gesehen werden. Die Autoren thematisieren ebenfalls klinisch wichtige Aspekte wie die Apathie und Verhaltensauffälligkeiten im Rahmen des Dopamin-Dysregulationssyndroms beim Morbus Parkinson, den klinischen Verlauf mit Tiefenhirnstimulation, Parkinsonismus infolge unterschiedlicher Ätiologien. Es finden sich zusätzlich mehrere Beispiele von aufgabenspezifischen fokalen Dystonien sowie von selteneren spino-zerebellären Ataxien, ein Umstand, der wahrscheinlich auch die Interessen der Autoren widerspiegelt.
Die Begleittexte zu den Videoaufnahmen sind instruktiv, bauen aber auf ein Vorwissen auf. Der Leser wird daher auf Lehrbücher verwiesen. Insgesamt sind die Texte, bedingt auch durch das Format des Video-Atlas, eher kurz. In gewissen Fällen wären aber mehr Informationen zu wichtigen Zusatzuntersuchungen (wie Laborwerte, Neurophysiologie, Genetik usw.) interessant, die die Diagnose begründen bzw. die Differentialdiagnosen ausschliessen, insbesondere bei funktionellen Bewegungsstörungen.
Die Kommentare von Dr. Tarsy zu den Videoaufnahmen sind prägnant und fokussieren auf einer Beschreibung der gezeigten Bewegungsphänomene. Die Diskussion bietet eine gut verständliche Einführung. Ein wichtiges Lernziel ist das Erkennen von einzelnen Bewegungsphänomenen und die differentialdiagnostische Zuordnung zu einem spezifischen Syndrom. Diese Differenzierung von vergleichbaren Bewegungsstörungen wird teils ansatzweise diskutiert, aber für eine Vertiefung empfiehlt sich der Beizug von weiteren Nachschlagewerken. In dieser Hinsicht verfügt das Internet über eine konkurrenzlose Fülle von Videosammlungen, wobei ein Nachschlagewerk wie dieses die Vorteile einer gewissen Kohärenz durch eine einzelne Autorenschaft hat.
Gesamthaft bietet der Video-Atlas eine gute Einführung in die Phänomenologie der Bewegungsstörungen in Ergänzung zu einem Lehrbuch und zur klinischen Ausbildung am Krankenbett. Der Atlas kann auch als Nachschlagewerk genutzt werden, wobei für eine weiterführende Diskussion und Differentialdiagnose sowie für seltenere Krankheitsbilder weitere Informationsquellen unverzichtbar sind.
David Benninger, Lausanne