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Primary and Hospital Care is published by MDPI from Volume 25 Issue 1 (2026). Previous articles were published by another publisher in Open Access under a CC-BY (or CC-BY-NC-ND) licence, and they are hosted by MDPI on mdpi.com as a courtesy and upon agreement with the previous journal publisher.
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Essay

No Superdocs

by
PHC Editorial Office
EMH Schweizerischer Ärzteverlag AG, Farnsburgerstrasse 8, CH-4132 Muttenz, Switzerland
Prim. Hosp. Care 2002, 2(24), 681; https://doi.org/10.4414/pc-d.2002.05568
Published: 22 November 2002
Ein Kollege erzählte mir, dass ihn schon vor einigen Jahren ein Mediziner aus Wisconsin ausgelacht hatte, als er ihm von den Vorzügen der Doppelpraxis gegenüber der Einzelpraxis schwärmte. Die kleinste primärmedizinische Einheit in jenem Bundesstaat sei ein Team von 40 Ärztinnen und Ärzten …
Klar, es macht mir auch heute nicht immer Eindruck, wenn ein US-Amerikaner über andere lacht. Schon gar nicht, seit sie sich immer mehr in den Bush zurückziehen. Aber irgendwie tauchten bei mir trotzdem winkelriedsche Bilder auf, von einem medizinischen Einzelkämpfer, der sich ins Getümmel unklarer Patientenbeschwerden wirft und sein Leben daran hängt, Gutes tun zu wollen, koste es, was es wolle. Was können wir, wofür andere so viel mehr Leute brauchen?
Abends vor dem Schlafen überflog ich deshalb wieder einmal die Listen der Weiterbildungsziele, der Lernzielkataloge, der Definitionen der Allgemeinmedizin, der Hausarztmedizin … Kann ich das wirklich alles? Wo hab ich denn das alles gelernt? Bin ich wirklich ein so breit ausgebildeter, biopsychosozial betreuender Familienkenner? Können das alle andern Kolleginnen und Kollegen, nur ich nicht?
Nicht nur im Land der Supermen gibt es also scheinbar keinen primärmedizinischen Superdoc mehr. Bei uns scheint sich aber jene Spezies noch zu halten, die jederzeit und ganz alleine Hüftluxationen, Depressive oder Stillende behandelt, obwohl sie oft schon lange keine solchen mehr gesehen hat. Eine Gattung, die Lebensentscheide anderer mitträgt, während sie selber fast rund um die Uhr auf dem Praxisstuhl sitzt und das Leben draussen kaum mehr kennt. Die den gesunden Menschenverstand walten lässt, ohne diesen je ausserhalb geschützter Spitalwelten entwickelt zu haben. Die Familien betreut, während sie die eigene oft nur am Sonntag sieht. Die ungerecht Gekündeten hilft, die Verwahrloste betreut, die Sterbende begleitet, ohne …
Also in den Bush auswandern komme für ihn nicht in Frage, meinte mein Kollege. Aber er wolle mehr mit seinen Kollegen im Dorf zusammenzuspannen. Um sich gegenseitig die Stärken zu vermitteln und bei den Schwächen zu helfen. Um sich bei Problemen zu unterstützen, sich bei Übermüdung abzulösen. Junge Kolleginnen oder Kollegen wolle er in die Praxisgemeinschaft nehmen, um ihnen einen besseren Start in die Praxis zu geben, dass sie nicht auch all das wieder irgendwie autodidaktisch zusammenwursteln und machen müssen, was er nie gelernt habe …
Der Kollege hat auch schon ein Manifest verfasst. Darin steht u.a.: «… HausärztInnen, kommt endlich aus dem Busch! Wir wollen keine heroisch versagenden, einzelkämpferischen, auf dem Grill der Kostenexplosion verkohlenden, effektiven oder fiktiven Superdocs mehr sein, sondern zusammenstehen, um gemeinsam im Team unsere Arbeit viel besser machen zu können, um unsere Bildung, unsere Arbeitsqualität und unsere Bezahlung selber an die Hand zu nehmen, um uns von keinen Fakultäten, Krankenkassen, Politikern, Gesellschaften oder Foederationen mehr belächeln zu lassen …»
Das tönt schon etwas gar politisch. Medi-Kuss hat trotzdem kein’ Verdruss.

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PHC Editorial Office. No Superdocs. Prim. Hosp. Care 2002, 2, 681. https://doi.org/10.4414/pc-d.2002.05568

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PHC Editorial Office. No Superdocs. Primary and Hospital Care. 2002; 2(24):681. https://doi.org/10.4414/pc-d.2002.05568

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PHC Editorial Office. 2002. "No Superdocs" Primary and Hospital Care 2, no. 24: 681. https://doi.org/10.4414/pc-d.2002.05568

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PHC Editorial Office. (2002). No Superdocs. Primary and Hospital Care, 2(24), 681. https://doi.org/10.4414/pc-d.2002.05568

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