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Primary and Hospital Care is published by MDPI from Volume 25 Issue 1 (2026). Previous articles were published by another publisher in Open Access under a CC-BY (or CC-BY-NC-ND) licence, and they are hosted by MDPI on mdpi.com as a courtesy and upon agreement with the previous journal publisher.
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General Practice - probably the best job in the world!

Prim. Hosp. Care 2002, 2(22), 611-613; https://doi.org/10.4414/pc-d.2002.05542
Published: 25 October 2002
Mit diesem Satz sollen junge Ärzte in England für eine Weiterbildung zum Hausarzt motiviert werden; doch – ist der Beruf des Familienarztes im Lande des NHS (National Health Service) noch attraktiv? Obwohl die Hausarztmedizin von jungen Ärzten nach absolviertem Staatsexamen als interessante und herausfordernde Spezialität angesehen wird, entscheiden sich immer weniger junge MedizinerInnen im vereinigten Königreich für eine Weiterbildung zum GP. Teilzeitarbeit wird vor allem bei jungen Frauen attraktiver und scheint verglichen mit der Vollzeittätigkeit über die Jahre auch vor einem Gefühl der Unzufriedenheit zu schützen. Dass Studierende der Medizin an den Universitäten durch regelmässigen Kontakt mit Hausärzten als Lehrmeister und Vorbilder für eine spätere Laufbahn zum GP motiviert werden können, zeigten am WONCA-Kongress in London wissenschaftlich tätige Familienärztinnen auf.
Cette phrase est destinée à motiver les jeunes médecins anglais à une formation de médecin de premier recours. Mais ce métier est-il encore attrayant dans le pays du NHS (National Health Service)? Bien que la médecine générale soit considérée par les jeunes médecins comme une spécialité intéressante et stimulante, ceux et celles qui se décident pour la formation de praticien général, après l’obtention de leur diplôme d’Etat, sont de moins en moins nombreux au Royaume-Uni. Le travail à temps partiel, que préfèrent en particulier les jeunes femmes, semble également mieux résister au sentiment d’insatisfaction que génère le temps complet au bout de quelques années. Au congrès WONCA de Londres, des médecins de premier recours actifs dans le domaine scientifique ont montré comment motiver les étudiants en médecine pour cette carrière, grâce à des contacts réguliers avec les médecins généraux en activité, à la fois modèles et enseignants.

Zahl der Hausärzte in Weiterbildung rückläufig

Während sich in ganz England im Jahre 1989 noch 1735 junge Staatsexamens-AbgängerInnen entschieden hatten, eine Weiterbildung mit dem Ziel der hausärztlichen Tätigkeit aufzunehmen, waren es 1996 nur noch 1305, im Jahre 2000 dann allerdings wieder 1659 junge Ärzte. Schon seit 1993 sind davon über 50% weibliche Staatsexamensabsolventinnen, im Jahre 2000 betrug der Anteil der jungen Frauen gar 60%. Da vor allem unter den Medizinerinnen, aber auch unter den jungen männlichen Ärzten eine Teilzeitarbeit der vollberuflichen Tätigkeit als GP zunehmend vorgezogen wird, ist in der Gesamtbilanz tendenziell eher ein Rückgang der hausärztlichen Tätigkeit in England zu beobachten. Im Rahmen einer ausgedehnten Kohorten-Studie wurden britische StaatsexamensabgängerInnen aus den Jahren 1974 bis 1996 über einen grösseren Zeitraum zu folgenden Punkten befragt:
  • Berufsziel / Berufswahl
  • Befriedigung / Erfüllung in ihrem Beruf als Hausarzt
  • Zufriedenheit mit der zur Verfügung stehenden Freizeit
  • Attraktivität der Hausarztpraxis im Vergleich zur spitalärztlichen Tätigkeit
Während von den Staatsexamensabgängern der Jahre 1974 bis 1983 fünf Jahre nach Abschluss des Studiums 40–45% aller Befragten als Hausärzte praktizierten, waren es bei den Befragten, welche 1993 ihr Studium erfolgreich abgeschlossen hatten, gerade noch 19% der Männer und 28% der Frauen.

Teilzeitbeschäftigung verschafft mehr Freizeit und Befriedigung mit dem Beruf

Mediziner, welche vor 20 und mehr Jahren ihr Studium abgeschlossen hatten, waren in der Regel einige Jahre nach ihrem Staatsexamen vollberuflich als Hausärzte tätig; diesbezüglich hat sich sehr viel geändert, praktizieren doch heute von den jungen Hausärztinnen gerade noch 20%, bei den männlichen GP noch 30% vollberuflich.
Während sich in einer Befragung neueren Datums die Staatsexamensabgänger der 70er und 80er Jahre deutlich unbefriedigter von ihrer Arbeit als Hausarzt zeigten, dies im Vergleich zu den im Spital oder im Ausland tätigen englischen Ärzten, schienen die im Jahre 1993 diplomierten jungen Mediziner verglichen mit ihren am Spital tätigen Kollegen deutlich zufriedener mit ihrer freiberuflichen hausärztlichen Tätigkeit in der Praxis zu sein.
Auch zeigten sich die älteren KollegInnen unbefriedigt bis höchstens mittelgradig befriedigt mit der ihnen zur Verfügung stehenden Freizeit, und zwar unabhängig davon, ob sie in der Hausarztpraxis oder im Spital tätig sind; lediglich bei den 1993 diplomierten Kollegen war ein deutlich grösserer Zufriedenheitsgrad mit der zur Verfügung stehenden Freizeit festzustellen, und zwar nur bei den Hausärzten, nicht bei den Spitalärzten.
Staatsexamens-AbgängerInnen aus dem Jahre 1996 beurteilten ein Jahr nach Studienabschluss die Hausarztpraxis als gleich attraktiv wie die Tätigkeit in einer Klinik; zwei Jahre später erachteten weit mehr als die Hälfte derselben Kollegen die Hausarztpraxis als deutlich attraktiver im Vergleich zur Spitalarzttätigkeit.
Phc 02 00611 i001

Überdruss als Folge zunehmender Reglementierungen?

Dass die zunehmende Reglementierung im Rahmen des NHS, überbordende administrative Verpflichtungen und eine gewisse Erschöpfung von der vollberuflichen Tätigkeit beziehungsweise der überaus belastende Alltag Ursache für die bei den mittelalterlichen bis älteren Ärzten um sich greifende Unzufriedenheit sind, kann nur vermutet werden.
Immerhin lassen diese Zahlen aus dem vereinigten Königreich aufhorchen. Mit einem hausärztlichen Versorgungsnotstand im Laufe der kommenden Jahre wird in den englischen Städten schon heute gerechnet. Der Wunsch nach Teilzeitarbeit, die höhere Bewertung der Freizeit, Erschöpfung, Burn-out, Widerwille gegen Reglementierungen und eine zunehmende Administration führen dazu, dass sich immer weniger junge MedizinerInnen entschliessen, viele Jahre vollberuflich als HausärztInnen tätig zu sein. Zu Recht muss man sich fragen, ob dies alles schicksalsergeben hinzunehmen sei oder ob es konkrete Möglichkeiten einer Einflussnahme auf diese Entwicklung gibt.

Kontakte mit Hausärzten während des Studiums fördern die Motivation

In grösseren Studien konnte gezeigt werden, dass sich junge Mediziner oftmals gegen eine Laufbahn zum Familienarzt entscheiden, obwohl sie den Beruf des Hausarztes gleichzeitig als interessant, herausfordernd und von den intellektuellen Anforderungen her einer anderen medizinischen Spezialität mindestens ebenbürtig betrachten. Es scheint, dass der belastende Alltag und das vergleichsweise geringe Ansehen innerhalb der Ärzteschaft junge Ärzte bewegen, den Beruf des Hausarztes nicht zu ergreifen.
Eine Gruppe aus London hat sich dieser Frage angenommen und untersucht, welche Faktoren während des Studiums die Haltung zur Tätigkeit als Hausarzt und die mögliche spätere Berufswahl beeinflussen. Es gibt gute Daten dafür, dass die Begegnung und die Auseinandersetzung mit einer Berufsgattung – in unserem Fall mit den Hausärzten – die Haltung gegenüber dem Beruf positiv zu prägen vermögen. Eine Befragung von 700 Studierenden an Londoner Medizinischen Fakultäten hat gezeigt, dass die generell positive Haltung der Studierenden zur Hausarztmedizin als Spezialität und zu den Hausärzten als Berufsgattung im fünften Jahr noch deutlich ausgeprägter ist als bei Studierenden im ersten Studienjahr und dass dementsprechend bis zum Ende des Studiums der Prozentsatz derjenigen jungen Leute zugenommen hat, welche eine Laufbahn als GP ins Auge fassen.
Abbildung 2. Fünf Basler vor dem Kongresszentrum (v.l.n.r.: K. Bally, D. Gelzer, U. Halter, Ch. Ott, A. Schlumpf).
Abbildung 2. Fünf Basler vor dem Kongresszentrum (v.l.n.r.: K. Bally, D. Gelzer, U. Halter, Ch. Ott, A. Schlumpf).
Phc 02 00611 g001
Ausschlag für diese wachsende positive Haltung zur Hausarztmedizin gab mehrheitlich die persönliche Erfahrung, die Begegnung mit Hausärzten als akademische Lehrer und Vorbilder, aber auch mit Familienärzten in der Rolle als Patient. Diese Faktoren wurden von den Studierenden deutlich höher ge-wichtet als die Meinung anderer, der Medien oder gar die Tatsache, dass ein Elternteil als Hausarzt tätig war.
Abbildung 3. Drei Basler vor dem Shakespeare Globe Theatre, sich auf den «Sommernachtstraum» vorbereitend (v.l.n.r.: K. Bally, D. Gelzer, U. Halter).
Abbildung 3. Drei Basler vor dem Shakespeare Globe Theatre, sich auf den «Sommernachtstraum» vorbereitend (v.l.n.r.: K. Bally, D. Gelzer, U. Halter).
Phc 02 00611 g002
Eine Möglichkeit, die Haltung der Studierenden gegenüber der Hausarztmedizin bzw. dem Beruf des Familienarztes positiv zu beeinflussen und sich nach dem Staatsexamen für eine Weiterbildung zum GP zu entscheiden scheint also darin zu bestehen, Studierenden im Laufe ihres Studiums immer wieder die Gelegenheit zu geben, Einblick in die hausärztliche Tätigkeit zu gewinnen und Hausärzte als Vorbilder kennen und schätzen zu lernen.

Epilog – Förderung und Ausbau der Hausarztmedizin an Schweizer Universitäten – ein Gebot der Zeit

Gewiss ist es auch in unserem Lande unabdingbar, dass Hausärzte in vermehrtem Masse als akademische Lehrer in die Curricula an den Medizinischen Fakultäten einbezogen werden, dass sie Gelegenheit haben, den Studierenden innerhalb der Universitäten und in ihren Praxen hausärztliche Denkund Arbeitsweisen zu vermitteln. Damit dies effizient geschehen kann, sind an den fünf Schweizerischen Medizinischen Fakultäten Institute zu schaffen, die sich vertieft mit der hausärztlichen Aus- und Weiterbildung sowie mit der Forschung auf dem Gebiete der Hausarztmedizin auseinandersetzen. Die aktuellen Bestrebungen der SMIFK (Schweizerische Medizinische Interfakultätskommission), den Status der FI(H)AM an den Schweizerischen Medizinischen Fakultäten zu stärken, sind letztlich auch dazu da, längerfristig eine qualitativ hochstehende hausärztliche Versorgung in unserem Lande zu sichern.

Literatur

  1. Lambert, T.W.; Evans, J.; Goldacre, M.J. Recruitment of UK-trained doctors into general practice: findings from national cohort studies. Br. J. Gen. Pract. 2002, 52, 364–372. [Google Scholar] [PubMed]
  2. Henderson, E.; Berlin, A.; Fuller, J. Attitude of medical students towards general practice and general practitioners. Br. J. Gen. Pract. 2002, 52, 359–363. [Google Scholar] [PubMed]
  3. Henderson, E.; de Zulueta, P.; Berlin, A.; Fuller, J. Clinical role models and the development of professional values: the learners perspective. A qualitative study. Presentation on Wonca Europe; London. 9.–13. 6. 2002.

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Bally, K. General Practice - probably the best job in the world! Prim. Hosp. Care 2002, 2, 611-613. https://doi.org/10.4414/pc-d.2002.05542

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Bally K. General Practice - probably the best job in the world! Primary and Hospital Care. 2002; 2(22):611-613. https://doi.org/10.4414/pc-d.2002.05542

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Bally, Klaus. 2002. "General Practice - probably the best job in the world!" Primary and Hospital Care 2, no. 22: 611-613. https://doi.org/10.4414/pc-d.2002.05542

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Bally, K. (2002). General Practice - probably the best job in the world! Primary and Hospital Care, 2(22), 611-613. https://doi.org/10.4414/pc-d.2002.05542

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